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Offener Brief der DEHOGA Borkum

Geschrieben von am 17. März 2021

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Die DEHOGA Borkum – der Unternehmerverband des Gastgewerbes auf der Insel Borkum schreibt einen offenen Brief an die Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann, den Ministerpräsidenten des Landes Niedersachsen Stephan Weil und den Landrat des Landkreises Leer Matthias Groote zur Öffnungsperspektive und dem Reisegeschehen zu Ostern.

Sehr geehrte Frau Connemann, sehr geehrter Herr Weil, sehr geehrter Herr Groote,

nach einem viel zu langen und dunklen Corona-Winter steht nun das Frühjahr vor der Tür. Für gewöhnlich würden nun die letzten Renovierungsarbeiten abgeschlossen und die meisten Betriebe allmählich in die Saison starten, nicht so im letzten Jahr und schon gar nicht in diesem. Viele Gastgeber/Innen, Hotels, Gastronomie- und Verkehrsbetriebe haben im vergangenen Jahr, dem Jahr 1 der Pandemie, Hygienekonzepte entwickelt und penibel auf deren Umsetzung geachtet, dokumentiert und Personal geschult oder schulen lassen.

Oftmals wurden enorme Summen in Desinfektionsmittel, Plexiglastrennwände und dergleichen investiert, um der geforderten Sicherheit gerecht zu werden und seinen Lebensunterhalt bestreiten zu dürfen – Trennwände, die heute in zugestaubten Restaurants verwaiste Tische trennen. Nichtsdestotrotz muss man rückblickend sagen, dass der zweite Lockdown unausweichlich und das einzig Richtige war, wenn sich auch über Zeitpunkt, Dauer und Form wochenlang streiten ließe, ohne schlussendlich zu einer allseits anerkannten Antwort zu kommen. Im Sinne einer Eindämmung der Pandemie und der Rettung vieler Leben war es somit richtig, den Reiseverkehr drastisch zu beschränken, sich sozial zu distanzieren und Restaurants, Hotels und dergleichen geschlossen zu halten.

Die verabschiedete Öffnungsperspektive der MPK mit der Möglichkeit einer „Handbremse“ bei ausufernden Inzidenzzahlen ist im Sinne der Pandemiebekämpfung nachvollziehbar, für das einigermaßen wirtschaftliche Betreiben eines Unternehmens in Gastronomie und Hotellerie allerdings fast unmöglich – aber es war mehr als alles, was wir bis dahin hatten. Dann jedoch vernehmen zu müssen, dass es schlagartig ermöglicht wird mit dem Flugzeug über Ostern auf die Balearen, das spanische Festland und nach Portugal oder mit der Fähre nach Dänemark zu reisen, ist für jeden hiesigen Gastgeber ein Schlag ins Gesicht, hat man doch zuvor alles Geforderte umgesetzt, hingenommen und tut es immer noch!

Zugegeben, für die Einreise nach Spanien wird ein negativer PCR-Test verlangt und der zu entrichtende Flugpreis liegt in Bereichen eines Transatlantikfluges, abhalten vom Reisen tut das niemanden. Stattdessen wurden hunderte Extraverbindungen eingerichtet, um die Nachfrage annährend bedienen zu können. Demgegenüber müssen hierzulande Restaurantsund Hotels geschlossen bleiben, um das Reiseverhalten weiterhin einzudämmen, hier darf nach wie vor – ob getestet, geimpft oder genesen – nicht gereist werden. Es ist eine nie dagewesene Ungleichbehandlung und es wäre ein Euphemismus hier von einem Wettbewerbsnachteil zu sprechen.

So gerne man jedoch öffnen möchte oder sich eine Gleichbehandlung wünscht, viel schwerer wiegt jedoch die Gefahr für den, ohnehin fraglichen, Saisonbeginn und den herbeigesehnten Sommer. Die Rückreise aus diesen Urlaubsdestinationen darf ohne jedwede Art von Test oder auferlegter Quarantäne erfolgen. Bei den zurzeit zunehmend steigenden Zahlen und grassierenden Mutanten, ein solches Reiseverhalten geballt zu Ostern zuzulassen ist wie eine „Autokaufprämie-plus“ für die Verbreitung des Virus und die dritte Welle – vielleicht hilft ja eine Autoindustrie-Metapher…Um eine echte, wirtschaftlich planbare und nachhaltige Perspektive der Öffnung zu schaffen muss dringend zuallererst dem überregionalen, unkontrollierten und verfrühten Reisewahnsinn zu Ostern Einhalt geboten und parallel eine Individualisierung der Reisebeschränkungen mit Nachdruck verfolgt werden.

Der Vorstoß von Sebastian Kurz für die Einführung eines europäischen Impfausweises für Geimpfte und Genesene ging genau in die richtige Richtung. Dieser, in Verbindung mit Schnell- und PCR-Tests, dem Einhalten der AHA+L-Regelungen, der digitalen Kontaktnachverfolgung durch App’s wie „Luca“ & Co sowie eine schrittweise Öffnung mit gedeckelten Kapazitäten und Mindestaufenthalten wären, nach Ansicht des DEHOGA Borkum, zielführender, nachhaltiger und würden den weiteren Schaden zumindest kalkulierbarer gestalten.

Bundesweit beschäftigt das Hotel- und Gaststättengewerbe über zwei Millionen Menschen in mehr als 200.000 einzelnen Betrieben, in Niedersachsen sind es über 180.000 Menschen in mehr als 20.000 Betrieben. Solche Zahlen werden dem Wert des Tourismus für Ostfriesland und die Ostfriesischen Inseln kaum gerecht, beginnt hier doch allzu häufig die wirtschaftliche Wertschöpfungskette im Fremdenverkehr selbst. Gerne möchten wir nochmals in Erinnerung rufen, dass trotz der finanziellen Coronahilfen für betroffene Betriebe, jede selbstständige Person im Fremdenverkehr, Einzelhandel, Kulturbetrieb und weiterer Branchen keinerlei Unterstützung für Krankenversicherungsbeiträge, Rentenbeiträge, Wohnsituation oder Lebensunterhalt erhält. Diese persönlichen Kosten werden aus Rücklagen und Erspartem bedient – sofern noch vorhanden.

Wir fordern sie hiermit inständig dazu auf, sich für eine bessere und stabilere Öffnungsperspektive stark zu machen, denn das bisher Beschlossene, in Verbindung mit den Reisemöglichkeiten zu Ostern und den aktuellen Entwicklungen um den Impfstoff von AstraZeneca ist wohl die denkbar schlechteste Mischung und der Einstieg in einen tatsächlich endlosen Lockdown. Sollte dieser Appell jedoch verhallen und es kommt, wie es sich derzeit abzeichnet, dann tun Sie uns wenigstens den Gefallen und klatschen nach der Landung.

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Mit freundlichen und noch hoffnungsvollen Grüßen
Volkmar Vogel & Hubert Rummeni, Vorsitzender Schriftführer des DEHOGA Borkum

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