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Kleiner Heuler, was nun?

Veröffentlicht von am 26. Juni 2021

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Oh nein, ein hilfloser kleiner Seehund. Schau mal, der bewegt sich nicht. Ganz alleine am Strand. Und?
Diese Kleinen sind ja auch noch so niedlich, das man sie am liebsten auf den Arm nehmen möchte. Aber wie verhält man sich nun? Wen verständigt man und muss das überhaupt sein?

Ein Spaziergang auf Borkum am Strand bei bestem Wetter. Die Juni Sonne scheint von einem fast blauen Himmel herunter und die Temperaturen sind angenehm warm. Und bei so einem Spaziergang gibt es einiges zu entdecken. Möwen ziehen ihre Bahnen in der Luft, Austernfischer unterhalten sich auf- oder angeregt über den Sinn des Fliegens und die Seeschwalben hindern ein paar kleine Fische am aufwachsen.

Aber nicht nur in Borkums Lüften gibt es Interessantes zu sehen. Auch der Bodenbereich gibt so einiges her. Und genau dort haben wir ihn entdeckt. Aus der Ferne mit einem kleinen Sack oder Beutel verwechselt, entpuppte es sich beim näherkommen als ein kleiner Seehund. Ein Jungtier, offensichtlich verlassen, lag im Hafenbereich an einer Slipanlage, das ist eine schräge Rampe auf der Boote zu Wasser gelassen werden.

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Aus angemessener Entfernung haben wir das Jungtier beobachtet und überlegt, was eigentlich in diesem Fall zu unternehmen ist.

Uns fiel auf, das kein Muttertier in der Nähe war und das Kleine nicht besonders munter aussah.
Ok, ein Sonnenbad ist immer schön, aber etwas mehr Agilität haben wir schon vorausgesetzt.

Seehund gefunden, und was tun? Nun kommt es darauf an.

Zu welcher Jahreszeit haben wir den kleinen Seehund gefunden?

Seehunde kommen in der Regel Anfang Juni bis Mitte Juli auf einer trockengefallenen Sandbank im Wattenmeer zur Welt. Diese Geburt geht sehr schnell und das Jungtier muss bis zur nächsten Flut schwimmen können. Für die Säugung mit der besonders fetthaltigen Muttermilch sucht das Muttertier stets eine Sandbank auf und benötigt dafür unbedingt Ruhe und keine Störungen durch Sportbootfahrer oder Personen die eine Wanderung zu den Ruhezonen unternehmen. Jede Störung kann negative Folgen für die Tiere haben. Manchmal ist eine Störung jedoch so massiv, dass das Junge ebenfalls ins Wasser flüchtet und dabei den Kontakt zur Mutter verliert. Dann wird das Jungtier zum Heuler.

Video: Christian Fink

In dieser Zeit auf kleine Seehunde zu stoßen ist somit recht wahrscheinlich am Borkumer Strand. Besonders für Urlauber ist es meist ein Erlebnis, einen Seehund aus nächster Nähe zu beobachten. Und die Kleinen sehen ja wirklich zu niedlich aus. Zack und schon ist man gefangen im Beschützerinstinktmodus.

Bei einem Fund in der Zeit von Juni bis August ist es wichtig, einen Abstand von mindestens 300 Metern einzuhalten und die Tiere auf keinen Fall anzufassen. Das Anfassen der Jungtiere hat fatale Folgen, denn das Muttertier nimmt durch den menschlichen Geruch ihr Junges nicht mehr an. Den Fundort verlassen um dem Muttertier die Möglichkeit zu bieten, wieder Kontakt zum Jungtier aufzunehmen. Natürlich braucht es nicht bewacht werden. Nur im Notfall, also bei offensichtlichen Verletzungen, an stark belebten Orten, oder der Gewissheit, dass das Tier Hilfe benötigt, meldet man den Fund der
Seehundstation-Norddeich unter 04931-97 333 0.

Von September bis Mai sind die Jungtiere soweit selbstständig, das sie ohne Mutter klarkommen. Sie benötigen einfach nur Ruhe und tummeln sich auf Sandbänken oder am Strand.
Bei so einem Fund ist es wichtig, den Abstand einzuhalten. 300 Meter sind ein ausreichender Abstand um dem Tier nicht zu nahe zu kommen, bestenfalls aus sicherer Entfernung mit einer guten Kamera ein Foto schießen, um sich später daran zu erfreuen, ein Jungtier entdeckt zu haben.

Den Flyer dazu könnt ihr hier herunterladen:

Unser Fund, ein Notfall

Wir waren uns da nun überhaupt nicht sicher und haben den Kleinen eine Weile beobachtet. Reger Schiffsverkehr im Schutzhafen, Personen flanierten am Feuerschiff vorbei, freilaufende Hunde tollten über die Rasenflächen, ein Sommertag mit viel Betrieb.

Also Handy gezückt und den Fund gemeldet!
Auf Borkum findet man an den Notrufsäulen weiterführende Informationen und die Telefonnummer der Seehundstation. Die Mitarbeiter der Seehundstation benachrichtigen die vor Ort ansässigen Wattenjagdaufseher, die den Fund begutachten und entscheiden, ob es sich um einen Heuler, also ein verlassenes Jungtier handelt oder doch nur um einen Seehund, der diesen Aufenthalt als Sonnenbadplatz nutzt.

Christian und Jonny sind die amtlich bestellten Wattenjagdaufseher auf Borkum.


Christian und Jonny sind ehrenamtliche Mitarbeiter der Seehundaufzuchtstation in Norddeich sowie die Hegeringsleiter der Borkumer Jägerschaft. Die beiden haben in der Saison alle Hände voll zu tun, da sie für die Meeressäuger, wie z.B. Schweinswale, Kegelrobben etc. zuständig sind. „Wir gehen davon aus, das es mit dem Ferienbeginn noch mehr werden„, teilt uns Christian Fink mit. Auf Borkum gibt es leider keine Möglichkeit die Tiere zu versorgen. Somit werden die Tiere zeitnah mit der Fähre ans Festland transportiert und in Emden von ehrenamtlichen Mitarbeitern der Seehundaufzuchtstation abgeholt.


Ende gut, alles gut – Ist er/sie nicht süß?

Bild: Christian Fink

Gut zu wissen: Ihr habt einen Wildvogelfund?

Die Seehundstation Norddeich kümmert sich auch um gefundene Wildvögel. Bevor der Finder nun selbst aktiv wird, stehen die Mitarbeiter der Station mit Rat und Tat zur Seite. In einem Telefonat kann die individuelle Situation geklärt werden, um zu beurteilen wie das weitere Vorgehen in dem Fall sein wird. Grundsätzlich gilt:
Bitte halten Sie Abstand und fassen Sie das Tier nicht an! Rufen Sie an unter: Tel.: 04931- 97 333 0

Den Flyer dazu könnt ihr hier herunterladen.


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