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Eiswinter im Wattenmeer

Veröffentlicht von am 12. Februar 2021

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Eiswinter im WattenmeerVögel benötigen besondere Ruhe

Auch ohne starke Schneefälle macht das eisige Wetter an der Küste der Vogelwelt im und am Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer zu schaffen. Die Nationalpark-Ranger:innen sind täglich draußen unterwegs und beobachten, wie die Wattenmeer-Vögel mit der Herausforderung umgehen.

Ist die Wattoberfläche vereist, dann bleibt Wat- und Wasservögeln der Zugang zu Nahrungstieren im Wattboden versperrt. Foto: Koschel / NLPV

Viele Vögel, insbesondere Gänse, aber auch Watvögel scheinen rechtzeitig vor der Kälte ausgewichen zu sein. Sie ziehen entlang der Küste ein Stück weiter nach Südwesten. Vögel, die hierbleiben, rücken enger zusammen – die Watvögel vorzugsweise in windgeschützten Bereichen im Westen der Inseln bzw. im Schutze entsprechender Strukturen am Festland. Aufgrund der Vereisung an den Salzwiesenkanten stehen ihnen hier ihre üblichen Rastgebiete nicht bzw. nur eingeschränkt zur Verfügung. Bekassinen und Waldschnepfen zeigen sich zum Teil auch innerorts.

Das Watt südlich der Inseln scheint bislang nur oberflächlich gefroren zu sein und steht den Wat- und Wasservögeln damit zur Nahrungssuche noch zur Verfügung. Vor der Festland-Küste zeigt das Watt bereits eine stärkere Vereisung und ist für die Vögel somit nicht mehr in allen Bereichen zur Nahrungssuche nutzbar. Einige nutzen jedoch die Eisschollen zur Rast.

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Wenn das Watt zufriert, nutzen einige Wasservögel Eisschollen zur Rast, wie diese Brandgänse und Stockenten in der Leybucht. Foto: Gent / NLPV

Wasservögel sammeln sich in größeren Zahlen auf den noch nicht gefrorenen Gewässern. So werden z. B. im Südstrandpolder auf Norderney neben Reiher-, Krick- und Tafelenten ca. 1.300 Spießenten beobachtet. Im Jadebusen vor Sehestedt halten sich etwa 3.500 Brandgänse sowie auch Austernfischer und Große Brachvögel auf. „Wenn die Vögel küstennah in großen Ansammlungen Schutz und noch offene Nahrungsquellen suchen, besteht ein erhöhtes Störpotenzial“, erklärt Susanne Koschel, die als Nationalpark-Rangerin die Region am Jadebusen betreut. Nationalpark-Besucher:innen wird deshalb ans Herz gelegt, sich ruhig zu verhalten, großen Abstand zu den Vögeln einzuhalten und Hunde an der Leine zu halten. Jede Störung der Vögel geht mit einem Energieverlust einher, den sie bei den winterlichen Bedingungen nur schwer wieder ausgleichen können, daher haben sie ein erhöhtes Ruhebedürfnis. Bei anhaltender Kälte wird es immer schwieriger, an Nahrung im zunehmend vereisten Wattenmeer zu kommen. Dann kann es dazu kommen, dass insbesondere Watvögel, wie Alpenstrandläufer oder Rotschenkel die Kälteperiode nicht überstehen und verhungern. Bislang sind nur wenige geschwächte oder verendete Vögel zu sehen, das kann sich bei anhaltender Wetterlage jedoch schnell ändern.

Größere Trupps von Singvögeln, z. B. Feldlerchen und Wacholderdrosseln, die derzeit am Festland anzutreffen sind, ebenso wie Strandpieper und Berghänflinge, die ebenfalls gut zu beobachten sind, suchen ihre Nahrung nicht im Watt, sondern in den Salzwiesen oder binnendeichs. Unbeeindruckt von dem Wetter tummeln sich nach wie vor die Schneeammern in munteren Trupps an den Stränden. Sie suchen in den Spülsäumen nach Sämereien und werden fündig, solange diese Nahrungsquelle nicht unter Schnee und Eis verschwindet.

Bei anhaltendem Frost frieren auch die Priele in den Salzwiesen zu. Foto: Onno K. Gent / Nationalparkverwaltung

An den Stränden türmt der vorherrschende Wind in kürzester Zeit kleine neue Dünen in unterschiedlichsten Formen auf. So bietet die besondere Wetterlage Besucherinnen und Besuchern eine gute Gelegenheit, die natürliche Dynamik im Nationalpark live zu erleben.