Neulich in Friesland

von Karen Christiansen

MOIN ZUSAMMEN !

Herrlich herzliche und ironische Geschichten. Betrachtet mit einem oder auch zwei Augenzwinkern.
Erlebnisse, Betrachtungen und Sichtweisen über die schönste Ecke der Welt.
Als der Erbauer der Welt über das Meer wollte, merkte er, das zuviel Gewicht im Korb des erschaffens war.
Also packte er viele schöne Dinge aus und positionierte sie an der Küste.
Willkommen in....

FRIESLAND - DAS SCHÖNSTE ENDE DER WELT!

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Friesische Viecher

Tiere zu fotografieren ist viel einfacher, als man gemeinhin annimmt. Das können Sie jeden

x-beliebigen Zen-Meister fragen. Er würde Ihnen an dieser Stelle tief in die Augen gucken und kryptisch murmeln: »Du musst selbst zum TIER WERDEN, kleiner Grashüpfer« – aber das ist eine andere Geschichte, die nicht unbedingt hier her passt. (Falls Sie verstehen, was ich meine.) Die professionelle Meinung des seligen Herrn Sielmann ist leider nicht überliefert. Und der hypothetische Wortbeitrag des verehrten Jaques Cousteau wäre ziemlich langatmig und würde sich höchstwahrscheinlich auf »Mon dieu« reimen. Dazu reicht man einen guten Rotwein. Deswegen gefällt mir dieser Ansatz persönlich am besten.

Wenn man irgendwelche wie-auch-immer-gearteten Tiere (Anzahl der Beine egal, Fell oder Federn optional) fotografieren will, ist es von vornherein sinnvoll, loszuziehen, wenn diese wach und willig sind. Eine schlafende Feldmaus im Serienbildmodus aufzunehmen, ist keine künstlerische Herausforderung. Wenn Sie 12 Uhr mittags unbequem zusammengekauert vor einem Fuchsloch hocken, werden Sie zwar keine putzigen Welpen beim Spielen sehen, können sich aber am höhnischen Gekecker der ganzen Bande aus dem Bau heraus erfreuen – die Biester lachen sich halbtot und sind somit anschließend viel zu kaputt, für Sie zu posieren.

Für die Krimi-Fans unter Ihnen: Tierfotografie ist wie ein perfektes Verbrechen. Es ist immer eine Frage von  »Möglichkeit« und »Motiv«. Ist es also möglich, Elefanten in Friesland zu knippsen? Eher nicht. Alles andere ist verhandelbar. (Oder mit ein bisschen Mühe und einer guten Bildbearbeitung hinzukriegen.) Nun zum Motiv: Warum sehen wir ein Tier? Weil es ihm egal ist oder weil es sowieso gerade in der Gegend zu tun hatte.

Mon dieu – was macht denn so ein Viech den ganzen Tag, wenn es nicht schläft? Tja: Fressen oder Sex – Motive, so alt wie die Welt.  Wenn Sie diese Tatsache im Gedächtnis behalten, wird Ihre Welt schlagartig vor Tieren wimmeln. Sie müssen bloß hingucken. Manchmal reicht es auch, hinzuhören. Oder die Nase in den Wind zu halten. Gerade Bisams riecht man meilenweit. Besonders an frostigen Morgen, wenn sich die Witterung lange in Bodennähe hält, kann man jede Bewegung im Ratten-Bau an den wechselnden Geruchsschwaden vorhersagen, die über die Gewässeroberfläche treiben. Glauben Sie mir: Nagetiere, die eng gedrängt in schlammigen Höhlen wohnen, die ganze Nacht in ihren eigenen Rohkostblähungen verbracht haben und, statt sich zu duschen, ihr Fell mit Drüsensekret parfümieren, sind einfach nicht zu überriechen.

Vogelschwärme sind olfaktorisch nicht so belastend für den Fotografen. Dafür bestechen sie durch ihren Mangel an Kooperationswilligkeit. Salopp gesagt: Die Jungs tun NIE das, was sie sollen. Selbst, wenn man sich mühevoll zum Tidewechsel ins Watt gequält hat – die Biester hören einfach nicht zu. Einfachste Regieanweisungen wie zum Beispiel »Mehr nach links, ihr … (hier folgt ein Schimpfwort)! Quer durch’s Licht und dann geordnet landen! Kann ja nicht so schwer sein!« werden konsequent ignoriert oder ausschließlich dann befolgt, wenn man die Kamera nur mal eben kurz runtergenommen hat. Selbstverständlich achte ich streng darauf, bei solchen Fotoshootings absolut unbeobachtet zu sein. Manchmal geht mein friesisches Temperament doch ein bisschen mit mir durch. Es sind immerhin schon Leute für deutlich weniger auffälliges Verhalten eingewiesen worden!

 So. Sie sehen also, dass Tierfotografie wenig bis gar nichts mit entbehrungsreicher Arbeit oder übermenschlicher Geduld zu tun hat. Eigentlich ist das Ganze unglaublich spaßig. (Wenn man den Begriff »Spaß« etwas weiter fasst, selbstverständlich.) Und wenn’s richtig gut läuft, sogar voller »Mon-dieu«-Momente. Haben Sie noch genügend Rotwein vorrätig?

Friesland, frühlings-frisch…!

Nach zweieinhalb Arbeitstagen bin ich zu Urlaubszwecken nach Hause zum Deich gekommen und stelle fest: Es ist FRÜHLING! Nein, das hat nix mit dem Wetter zu tun – wir haben normale 8 Grad Außentemperatur (vier Grad morgens, vier Grad nachmittags –  nachts ist es etwas schattiger) bei auffrischendem Wind. Es ist auch nicht so, als würde die Gülle, die Claas Claasen enthusiastisch auf den Wiesen verteilt, irgendwie frischer riechen. Nein, für Deo-Werbung ist das Zeug wirklich nicht geeignet. Kleiner Hinweis: Wenn einen dieser landwirtschaftliche Geruch nach zwei, drei Tagen nicht mehr sooo stört, heißt es nicht, dass man sich daran gewöhnt hat, sondern bedeutet nur, dass Herrn Claasen die Fäkalien ausgegangen sind. Aber – mit Verlaub – Scheiße ist ein nachwachsender Rohstoff und spätestens übermorgen kann man sich wieder darauf einstellen, die frischgewaschene Bettwäsche panikmäßig von der Leine zu reißen, wenn auf dem Nachbarhof die schwere Berieselungstechnik warmläuft. 
Doch das nur nebenbei. Was mich an dieser ganzen Frühlings-Sache immer wieder verblüfft, ist der manische Dekorationswahn meiner Deich-Mädels. Wie Kea, Aahlke und Eilsine in kürzester Zeit ihren Vorgärten einen psychedelischen Farb-Rausch verpasst haben, ist unvorstellbar – bis man es gesehen hat. Dann ist es noch viel unvorstellbarer. Die berechtigte Frage nach dem »Warum« verkneife ich mir aus langjähriger Erfahrung. Wir erinnern uns: An unser schönstes Ende der Welt verirrt sich höchstens der Postbote. Dem müsste doch eigentlich egal sein, ob er nun eine Krokuspflanzung oder ein paar Osterglocken übermangelt, wenn er auf der Flucht vor unserem Eichhörnchen mal wieder hektische Schlangenlinien auf der Deichstraße fährt. Oder ob sich vielleicht Tant‘ Eilsines Feriengäste vom pseudo-friesischen Flair der Gartengestaltung beeindrucken lassen? Werden die betten-gewechslten Touristen beim Heimkommen ins zivilisierte Binnenland sofort beginnen, ihre eigene Häuslichkeit  »deichtypisch« zu gestalten?
»Guck mal – hab ich in Friesland gesehen, das haben ALLE dort!«
   »Wie waaahnsinnig exotisch! Karl-Heinz, mach mal schnell unsere alte Akropolis weg, wir müssen sofort einen Leuchtturm in den Garten stellen – die Nachbarn denken sonst, wir könnten uns nix leisten!«
Friesland macht Mode!
Für den Fall, dass Sie dringend Weltgewandtheit vortäuschen wollen und gerade keine Zeit haben, live vor Ort Impressionen zu sammeln: Besonders en vogue sind in diesem Jahr         
 a) beleuchtete Ostereier im kahlen Forsythien-Strauch (Tant‘ Aahlke),
b) bunt umhäkelte Hausbäume in der Einfahrt (Tant‘ Eilsine) und  
c) beleuchtete Ostereier, umhäkelte Baumstämme UND ein mehrfarbig angestrahlter Riesen-Plastik-Seehund in einem geschmackvollen pinken Blüten-Nest (Tant‘ Kea).
Nein, ich darf Ihnen an dieser Stelle keine Beweis-Fotos von der Farbgewalt zeigen – die Damen warten noch auf den netten Herren von der Lokalzeitung, den sie anlässlich des weihnachtlichen Lichterfestes so hingebungsvoll mit Grog abgefüllt hatten, damit sie es mal wieder auf die Titelseite der Deich-Gazette schaffen.
An dieser Stelle oute ich mich mal als bekennender Primel-Verweigerer. Dekorations-Legastheniker bin ich sowieso. Irgendwo hab ich auch ein Attest dafür. Glaubt mir aber kein Mensch. Im Gegenteil! Kea, Aahlke und Eilsine sind zutiefst beunruhigt, fürchten nichts mehr als meinen botanischen Gegenschlag und gehen davon aus, dass ich illegales Deko-Doping »aus der Stadt« einfliegen lasse, um ihre Bemühungen in den Schatten zu stellen. Nun geht meine Überlegung dahin, meinen Vorgarten einfach im wahrsten Sinne des Wortes flächendeckend zu verhüllen. Ob Herr Christo wohl noch einen Termin für mich frei hat? Ich hege nämlich die äußerst berechtigte Hoffnung, dass  meine plagiats-besessenen Mädels umgehend nachziehen und schlagartig wieder (optische) Ruhe am Deich einkehrt.

„…Watt pädagogisch wertvoll…!“

Frieslands schönstes Dorf

„…Watt pädagogisch wertvoll…!“

Für Tant‘ Eilsine tu ich alles. Meistens gezwungenermaßen, gelegentlich sehr gern…aber immer aus tiefster Überzeugung, wenn es um das allgemeine Deich-Wohl geht.

Bei Familie Claasen haben sich mal wieder Feriengäste eingenistet. In früheren Zeiten des unterirdischen Milchpreises hatte der Fremdenverkehr als lukrative Einkommensquelle durchaus eine Daseinsberechtigung. Aber jetzt, wo alles besser wird, löst schon allein das Wort „Urlauber“ die gleiche Begeisterung wie „Kakerlaken in der Großküche“ aus. In den Nachrichten von Friesland-TV soll es demnächst sogar ausge-piiiiept werden.

So fand ich gestern mich pünktlich (und hochmotiviert von zahlreichen in Aussicht gestellten gigantischen Fress-Geschenken) auf dem Nachbar-Anwesen ein, um Eilsines Gäste von noch mehr nachhaltiger Einmischung in die intimsten Hofangelegenheiten abzuhalten. Dort wartete eine Mini-Pädagogen-Gruppe  im fortgeschrittenen Besser-Wisser-Alter auf mich. Alle lechzten sichtbar nach Erbauung. Normalerweise lasse ich mir das nicht anmerken, aber  nach dem letzten Online-Kurs „Klugscheißen für Fortgeschrittene“ fühlte ich mich dieser Aufgabe noch durchaus gewachsen. Irgendwie irritierte mich das High-Tech-Outdoor-Outfit der Bande. Sicherheitshalber erkundigte ich mich bei Eilsine, was denn an Programm vorgesehen wäre. Lehrern im Bildungsurlaub muss man schon etliches bieten.

„Scheuch die doch in‘s Watt, `n paar Vögel gucken. Lass Dir ruhig Zeit dabei. Und pass bloooß auf, dass die sich nicht so dreckig machen – ich hab geraaade gewischt!“ Na, denn. Eine namentliche Vorstellung erübrigte sich. Aus dem lebhaften Gespräch der Herrschaften untereinander war ich vollinhaltlich über „Mausebärchen“, „Hasenzahn“, „Schnäuzelchen“ und Schätzelein“ im Bilde. Blöde Namen, ich weiß.  Aber dafür kann ja keiner was. Die Truppe machte einen durchaus willigen Eindruck und folgte mir widerspruchslos „DA lang!“. 300 Meter über’n Acker bis zum Deich – erste Ermüdungsspuren bei Hasenzahn’s Nordic-Walking-Stöcken. Dafür machten sich die gletschertauglichen Wanderstiefel auf den sechs Höhenmetern bis zur Deichkrone mehr als bezahlt. Vierstimmige geschult laute Begeisterungsausbrüche über diese herrliche Ruuuuheeee – kurzer Griff zur Wasserflasche – Abstieg in die morastigen Abgründe unserer Watt-Wiesen. Ob Schnäuzelchen und Schätzelein mal kurz das Knutschen unterbrechen und zur Gruppe aufschließen würden?! Schließlich kommt gleich Flut und die Entenschwärme warten auch nicht! Wenn man den offiziellen Salzwiesen-Pfad verlässt, wird’s ganz schnell gubbelig. Man guckt besser immer mal, wo man hintritt. Dabei noch bildungsbürgerliche Konversation zu machen, ist schwierig. Mausebärchen schießt von schräg hinten Frage-Salven auf meinen Rücken. Woher ich weiß, wann die Flut kommt, zum Beispiel. Hallooo??? Man kann es hören, riechen (wenn Claas nicht gerade Gülle ausgebracht hat), sehen, in der Zeitung lesen oder auf’m Handy nachgucken – aber aus Gründen der Folklore biete ich ihm ein bisschen Eingeborenen-Mumbo-Jumbo. Das beeindruckt ihn kurz. Zu kurz. Das Pädagogen-Quiz geht weiter. Wie das zahlenmäßige Aufkommen der „Numenius arquatae“ aktuell eingeschätzt wird, ist mir gänzlich unbekannt und, ehrlich gesagt, auch völlig egal. Ich hoffe stark, dass es wenigstens kein Schweinkram ist, antworte mit einer Phantasie-Zahl, gebe eine mehrere Millionen starke Abweichung an, füge ein professionelles „verschiedenen Schätzungen zufolge“ hinzu und verleihe meiner Antwort insgesamt einen vorwurfsvollen Unterton. Also…DAS hätte er eiiigentlich selber wissen müssen! Einvernehmliches Schweigen auf den letzten Metern bis zur Watt-Linie. So, nun wollen wir uns alle fein einen Fotostandort suchen. Schnäuzelchen löst sich widerwillig von Schätzelein und packt seine tonnenschwere Ausrüstung aus. Schätzelein macht derweil Selfies. Sonnenbrille hoch, Küsschen in’s Display…Sonnenbrille runter - und wieder „Mmmuuuhaaaa“. Dieser Anblick ist mir zu pornografisch. Beim diskreten Wegdrehen trifft mich fast der Schlag. Hasenzahn und Mausebärchen haben sich in Tarnnetze gehüllt und sind hinter riesigen Stativen in Stellung gegangen. Das kann auch den militantesten Pazifisten aus der Fassung bringen. Gottseidank sind wir allein auf weiter Flur. Schnäuzelchen diskutiert mit Mausebär  beider weltweite Erfahrungen im Bird-Spotting. „Vögel-Gucken international“ – aussterbende Arten im Regenwald, „unter Geiern“ in den Anden…ja, da muss man doch geradezu dankbar sein, dass sie unseren friesischen Deich mit ihrer Anwesenheit beehren. Zwischendurch versucht er, mit knappen Kommandos („Skalpell!“, „Tupfer!“, „Gegenlichtblende!“, „Nicht DIE – die ANDERE!“) Schätzeleins Aufmerksamkeit zu erregen. Schätzelein ist unwillig und reagiert genervt. Leider kann ich mich nicht vermittelnd einmischen, weil unter Mausebärchens Tarnnetz erstickte Geräusche hervordringen. Große Güte - was hat er denn??? Tja. Auf schlickigem Untergrund einen Klapp-Hocker aufzubauen, ist zwar originell, aber sinnlos. Mit beiden Armen heftig wedelnd kippt er in Zeitlupe rückwärts um. Möglicherweise würde ich ihm vielleicht gern helfen, sehe aber wegen des Camouflage-Umhanges keinen geeigneten überstehenden Körperteil zum Eingreifen. Soll Hasenzahn sich darum kümmern – ich fass da nichts an! Beim rettenden Aufspringen löst ihr voluminöses Hinterteil einen astreinen Domino-Effekt auf sämtliche Kamerastative aus. Jetzt hab ich zwar beide Arme voller Elektronik, aber keinen Finger zum Auslösen frei, als sich pünktlich auf die Minute ein Riesenschwarm Flatterviecher direkt vor unseren Füßen niederlässt. DAS gibt es nur in Friesland.

Leider weiß es gerade mal keiner zu schätzen. Schätzeleins verlockender Schmollmund ist auf Katzenarsch-Größe zusammengekniffen, als sie Richtung Heimat stürmt. Der ehemalige Mausebär (anscheinend heißt er in Wirklichkeit „Karl-Heinz-ich-habe-Dich-bereits-mehrfach-darauf-hingewiesen“) sieht aus wie ein Erdferkel, versucht aber noch tapfer, sich mit „ich-möchte-das-hier-nicht-weiter-thematisieren“ herauszureden. Aussichtslos, wie Sie sich sicher denken können. Ich bilde das Schlusslicht unseres ungeordneten Rückzuges, komme aber gerade rechtzeitig auf dem Claasen-Hof an, als das große Finale zwischen Schätzelein und Schnäuzelchen in die heiße Phase geht. Was für ein Wortschatz! Dazu ist also ein Germanistik-Studium gut! Tant‘ Eilsine strahlt. Sowas ist besser als ihre Nachmittagsserie! Mit einer Hand kocht sie Grog, mit der anderen telefoniert sie Aahlke und Kea zum Fremdschämen ran. Am geöffneten Fenster der guten Stube verfolgen wir, wie Schnäuzelchen das Wort zum Sonntag kriegt und erfreuen uns an Mausebärs Verfehlungen der letzten zwanzig Jahre. Stereo. Da weiß man gar nicht, wo man zuerst hinhören soll. Nun stehen die Chancen gut, dass Claasens Ferienwohnungen ab morgen wieder frei sind. Überlegen Sie sich aber bitte, ob Sie buchen wollen. Seien Sie auf jeden Fall äußerst nett zu Ihren friesischen Vermietern. Sonst müssen Sie nämlich mit mir ins Watt!!!

„…Tant‘ Kea packt aus!“

Frieslands schönstes Dorf

„…Tant‘ Kea packt aus!“

(aus dem Ostfriesischen übersetzt mit Google Translator) 

Hallo. Haaalloooo??? Sind Sie da? Moin zusammen. Hier spricht Kea Harms, geborene Poppen! Soll ich LAUTER reden oder geht’s so? Ich muss Ihnen mal ganz nötig was erzählen. Sie lesen hier doch immer was von der Karen und finden das vielleicht ganz lustig. Aber so komisch ist das gar nicht. Vor allem Karen. DIE!!! Sollte mal ganz fein ruhig sein. Ich mag Ihnen das gar nicht sagen, aber wir waren alle total geschockt, als unser Wilhelm die geheiratet hat. Der hätte JEDE haben können! Und dann kommt er mit sowas nach Hause. Aus der Stadt. Viel zu jung. Und „studiert“ – na, gaaaaanz toll. In der Stadt haben die Leute sowieso alle einen Knall. Die Klamotten, die die tragen, würde ich nicht mal in die Altkleidersammlung geben. Schämen würd ich mich! Überhaupt nix Gediegenes dabei. Alles Fetzen. Da sind ja meine Feudel akkurater. Die kann man wenigstens ordentlich bei 90 Grad waschen. Hab das mal mit Karens Nietenhosen gemacht. Was war das für ein Gezeter! Angeblich teuer und „Diehseiner“ und was nicht alles … also, Leuten, die Sachen anziehen, wo ein fremder Name draufsteht und nicht das eigene,  fein gestickte Wäschezeichen drin ist, trau ich sowieso nicht über’n Weg. Die lügen auch bei anderen Dingen – bei der Wäsche fängt’s ja nur an!!! Kochen kann das Mädel nicht für fünf Pfennig. Darf man das heute überhaupt noch sagen, wo wir jetzt das neue Geld haben? Na, Sie wissen, was ich meine. Die Karen hat `ne Küche – also, ich sag Ihnen – das ist wie im Fernsehen. So ein Ding aus dem Weltraum. Piept und leuchtet in einer Tour. Da wird einem angst und bange. Aber wenigstens ist es da sauber. Kunststück. Wird ja nie benutzt. Nur der Wasserkocher. Und dieses andere Dings. Das mit den Strahlen, wo man Krebs von kriegt. Zum Essenaufwärmen. Was hab ich schon gepredigt, dass sie endlich mal Kochen lernen soll. Die wird sich schon noch umgucken, wenn ihr der Wilhelm wegläuft. Der sieht schon  ganz verhungert aus. Manchmal bringe ich ihm auch was Anständiges vorbei.  Karen macht ihm ja nur Pizza. Das ist doch kein Essen für einen MANN! Überhaupt – Pizza … was ist so toll an `nem Hefeteig, der nicht richtig aufgegangen ist – mit Kühlschrankresten obendrauf? Oder mit Ananas. Ananas gehört in die Bowle. Ist mein Apfelkuchen womöglich neuerdings auch „Pizza“?

Gestern war ich bei Christiansens. Die sind  gerade in der Stadt. Da muss man ab und zu schon mal nach dem Rechten sehen. Ob die Fenster zu sind oder von wem die ganze Post ist. Ich hatte Eilsine mitgenommen, wegen der Gesellschaft. Aahlke war schon Mittwoch da. Wir waren extra warm angezogen, weil das ganze Haus so kahl und weiß aussieht, dass man `ne Gänsehaut kriegt. Gemütlich wie eine Leichenhalle. Eigentlich kann es da gar nicht kalt sein, bei den ganzen Büchern, die die an den Wänden zu stehen haben. Alles Staubfänger, wenn Sie mich fragen. Karen meint ja, sie würde die LESEN. Hat man sowas schon gehört? Soll lieber Handarbeiten machen – aber das kann sie nicht, die feine Dame. Wozu hat sie denn überhaupt studiert? Ich will gar nicht wissen, was die den jungen Leuten heutzutage beibringen. Nix gescheites – das steht schon mal fest! Eilsine und ich haben uns erst mal einen schönen Grog gemacht. Das heiße Wasser hatte ich von zuhause mitgebracht – in Karens Küche fasse ich nichts an. Der Herd spricht nämlich nur Englisch. Anschließend haben wir uns gründlich umgeguckt. Also – der Wäscheschrank von Christiansens – wie bei den Hottentotten. (Was??? Das sagt man nicht? Was denn? „Nackte Neger“?!) Keine einzige Stoff-Serviette! Nur zwölf Geschirrhandtücher! Völlig lieblos – gar nicht bunt! Jedenfalls hab ich mir gleich einen Stapel von Wilhelms Unterhosen gegriffen – UN-GE-BÜÜÜ-GELT!!! Grauenhaft. Die Arbeit nimmt kein Ende. Eigentlich wollten wir noch eine Runde Grog trinken. Zur Beruhigung. Und gerade, als wir wieder unten in der Küche sind, kommt da dieses „Ding“ angerollt. Wahrscheinlich irgend so ein Computer. (Bei Karen ist alles „Computer“.) Surrt und blinkt. Immer um uns rum. Hilfe! Pelle hat vor Schreck eine Riesen-Pfütze gepinkelt. Wir konnten uns gerade noch so auf die Sessel im Wohnzimmer retten. Eigentlich hasse ich diese unbequemen Riesenteile wie die Pest. Man kann überhaupt nicht drauf sitzen – nur liegen. Und aufstehen geht gar nicht. Aber wenigstens kam der Computer da nicht rauf. Zwei geschlagene Stunden ist der hin und her gerollt. Dann war er auf einmal weg. Wir haben sicherheitshalber noch ein paar Mal gerufen – aber es war Ruhe. Was hatten wir „Rücken“, als wir endlich von den Lotterbetten runter waren! Jedenfalls sind Eilsine und ich uns einig: Mit der Karen stimmt was nicht. Wenn die in der Stadt dermaßen viel arbeitet, wie sie immer sagt, müsste sie doch wenigstens so viel Geld verdienen, dass sie sich ein paar anständige Möbel leisten könnte. Und Teppiche. Von Übergardinen mal gar nicht zu reden. Und einen Fernseher bräuchten die auch. Man langweilt sich noch zu Tode bei denen! Wir haben glatt unsere Serie verpasst. Blöder Roll-Computer! Aahlke meinte ja nachher, das wär ein Roboter zum Putzen mit `ner Äpp. Die wusste schon als Kind immer alles besser. Wer putzt denn mit „Äpp“? Heiße Seifenlauge und zweimal nachwischen – so geht das! 

Glauben Sie mir etwa nicht? Sie können gern mal bei mir vorbeikommen und wir gehen dann zusammen  zu Christiansens rüber. In der Woche stört uns keiner. Da kann ich Ihnen alles zeigen.

Ich muss sowieso nachher noch mal hin, Wilhelms Unterhosen zurückbringen. 

„…im Kaufrausch!“

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„…im Kaufrausch!“

Immer, wenn ich die traumatischen Erinnerungen an die Einkaufsaktionen der Vorjahre zumindest ansatzweise verdrängt habe, steht das „Ende der Welt“ wieder vor der Tür. Wenigstens fühlt es sich für mich so an.

Ich bin also pünktlich am Bahnhof unserer Fast-Großstadt und nehme meine Mädels in Empfang. Natürlich sind sie die letzten, die den Zug verlassen – aber auch mit Abstand die lustigsten. Alle drei frisch vom Friseur, stadtfein mit Kirchen-Kostüm (inklusive Bernsteinkette) und Kroko-Imitat-Handtasche – allesamt seeeehr rotbackig. Unter uns: Ziemlich angeschickert. Mal im Ernst, Mädels – habt ihr was getrunken??? Ach, na ja…nicht der Rede wert…aber wo Du schon fragst…kannst mal die leeren Flaschen für uns wegschmeißen? Ich entsorge gekonnt `ne staubtrockene Buddel Sekt, ein ehemaliges Fläschchen Sanddornlikör und eine Handvoll Jägermeister-Minis  im städtischen Müll, während mir der ortsansässige Penner anerkennend respektvoll zunickt. Erwähnte ich bereits, dass die Anreisestrecke gerade mal eine Haltestelle mit der Regionalbahn betrug?

So. Was jetzt? Erst mal stehenbleiben und staunen.  

Wir zelebrieren einen Vier-Personen-Stau an der schmalsten Stelle des Einkaufs-Tempels. Um uns herum tobt der freitägliche Shopping-Wahnsinn. Überwältigend! So viele Leute! Und wie die aussehen…kann ja wohl nicht! Halbnackt! Bei DEM Wetter! Haben die denn keine Mütter? Die sehen ja aus wie … ich mag das gar nicht sagen! … darf man das hier in der Stadt überhaupt?

Vorsorglich hatte ich mich schon seit den frühen Morgenstunden in einen nirvana-ähnlichen Zustand meditiert und bitte Tant‘ Aahlke freundlich, aber bestimmt, einfach mal ihre Brille zu putzen und aufzuhören, den H&M-Schaufensterpuppen vorsätzliche Prostitution zu unterstellen.

Reißt euch zusammen – die Leute gucken schon!

Nun ist es so, dass es in unserer Ideal-Standart-Einkaufspassage insgesamt drei Klamottenläden gibt, die den Ansprüchen meiner Mädels genügen würden. Die anderen beiden waren in den Vorjahren dran und ich bin mir wegen des hohen Wiedererkennungswertes nicht ganz sicher, ob wir dort schon wieder einkehren dürfen. Deshalb treibe ich unser Mini-Rudel gezielt in die Arme der Brüder „Clemens und August“  –  das Verkaufspersonal dort sollte Kummer gewöhnt sein.

Vielleicht sollte ich an dieser Stelle auf unsere sehr spezielle Kommunikationsmethode untereinander hinweisen. Ich spreche mühevoll erlerntes Amtsdeutsch, Kea, Aahlke und Eilsine hingegen ausschließlich „Platt“. Sie übersetzen sich selbst sogar Zeitungstexte oder Fernseh-Nachrichten zum besseren Verständnis simultan in „Regional-Sprech“. Manchmal (Meistens. Ziemlich oft.) weigern sie sich, Hochdeutsch überhaupt zu verstehen – zum Beispiel, wenn sich ihre Feriengäste nach zwei  Wochen „Urlaub auf dem Bauernhof“ zum Frühstück mal eine klitzekleine Abwechslung von Schmalzbrot, Eiern und Speck wünschen. Wenigstens hören sie auf mich. Ab und zu. Gelegentlich. In für sie vorteilhaften Situationen. Also jetzt. Hoffe ich mal. So eng aneinandergeklammert die Mädels auf der Rolltreppe noch waren, so schnell zerstreuen sie sich in alle Ecken des Ladens. Ich atme tief durch und zähle bis zehn. Na ja. Ungefähr bei „sieben“ kommt der erste nebelhornartige Notruf „Kaaaaaareeeeeeen!!!“ von Kea. Auf dieses Geräusch bin ich perfekt konditioniert und eile zu den Regalen mit den überwiegend pinken Klamotten. Schadensbegrenzend dolmetsche ich den eskalierenden Dialog zwischen Kea und einer engagierten Verkäuferin dahingehend, dass es hier in der „Girlie“-Abteilung (Nein, Kea, das ist KEIN Schweinkram!) nichts in Größe 46 gibt – Schluss, aus! Geh weiter, da hinten haben sie was für richtige Damen – ja, es ist ungerecht, dass es da nix rosa-glitzerndes gibt – aber guck doch einfach mal ganz genau. Such, Kea, such…!!! Tut mir leid – ich muss weiter! Im Vorbeilaufen reiche ich Eilsine den Flachmann mit den „Herz-Tropfen“ und hetze zur Umkleidekabine, wo  Aahlke  in einem angeblich bequem geschnittenen Kleiderrock feststeckt. Richtig fest. Es gibt Anblicke, um die man wirklich nicht gebeten hat. Während der mühevollen Befreiungsaktion muss ich mehrfach das beunruhigte Personal davon abhalten, einen Notarzt zu rufen. Eigentlich bräuchten wir das THW – aber das macht wohl keine Hausbesuche. 

Mentale Notiz: Auch Stretch-Klamotten haben eine Schmerzgrenze und sind nur bedingt leidensfähig. Letztendlich ist alles mehr oder weniger gut gegangen. Hat nur ein bisschen länger gedauert. Schnell ein Schlückchen für den Kreislauf. Auch die Verkäuferinnen machen mit. DAS haben wir uns redlich verdient. So – jetzt noch jede EINE Winterjacke … und dann nix wie raus hier … erst mal `nen schönen Kaffee auf den Schreck. Beim Edel-Italiener sind die Tassen reichlich klein. Nach dem dritten Espresso erreicht die Herzfrequenz der Damen ungeahnte Höhen. Nur unser Deich-Dickerchen ist noch ein bisschen geknickt. Ihre zwei Tagetaschen nehmen sich neben der Gesamtausbeute der anderen beiden auch ziemlich mickrig aus. Moooment! Ich lasse Kea und Eilsine auf einen ganzen Haufen virtuelle Bibeln schwören, dass sie sich nicht von der Stelle rühren und zerre Tant‘ Aahlke nach nebenan zu Ulla Popken. Jawoll! Für diese geniale Idee muss ich mich mal selber loben. Sonst tut’s ja eh‘ keiner. Die haben ja ALLES! Sogar große Umkleidekabinen. Aahlke shoppt sich `nen Wolf. Nach anfänglichen Irritationen in der Wäscheabteilung sackt sie sogar Schlüpper und BH’s ein, die schon in Normalgröße als „ziemlich gewagt“ durchgehen würden. Hossa! (Nein, ich bringe es nicht über’s Herz, ihr zu verraten, dass diese schicken „tragenden Teile“ mit Sicherheit keine korrekt friesische 90-Grad-Wäsche überstehen werden. Manche Erfahrungen muss man selbst machen.) Aahlke ist glücklich. Sie streichelt ihre Neuerwerbungen ein ums andere Mal, drückt die Verkäuferin  -  und mir ihre Einkaufstüten in die Hand. Guckt mal, Mädels, was ich gefunden habe! „Was“ ist ausgerechnet ein (sehr großer) schwarzer Spitzenschlüpfer mit dem dazu passenden Doppelzelt-Oberteil. Begeisterung im gesamten Cafè. Eilsine wird blass, Kea grün. „WO?“ und „Ich will auch…!“ ist das letzte, was ich höre, bevor die Horde nur noch einen Kondensstreifen hinterlässt und bei den Übergrößen einfällt. Nach anderthalb Stunden weise ich die Damen darauf hin, dass es draußen langsam dunkel wird. Großes Aufkreischen: „Oh Gott – wir müssen nach Hause!“, „ Teezeit ist längst durch, nu‘ aber fix!“ und (als Klassiker) „Hol schon mal den Wagen!“. Voller Überzeugung, moralisch im Recht zu sein, rangiere ich den Trecker in die Ladezone unserer Mini-Mall.  Ich vergesse dauernd, ob die maximal erlaubte Zuladung MIT oder OHNE Fahrgäste berechnet wird. Sicherheitshalber halte ich mich auf dem Nachhauseweg ungewöhnlich strikt an die Geschwindigkeitsbegrenzung. Komisch. Wenn ich vorschriftsmäßig fahre, will niemand ein Foto von mir machen. Aber, hey – ich hatte echt nicht gedacht, dass die kaum 30 Kilometer bis zu uns an’n Deich so dermaßen lang sein können. Vor allem, als die Mädels an die Likör-Reserven gehen und anfangen, zu singen. Ich bin echt froh, als wir unsere Hofeinfahrt erreichen. Am liebsten hätte ich wohl gern die Klinker geküsst – wenn da nicht noch ein winziges Problem gewesen wäre: Wem gehören welche Tüten? Während ich den Trecker auslade, machen es sich die Shopping-Queens in unserer Küche gemütlich. Sie sind gerade beim zweiten Grog, als sich Claas telefonisch erkundigt, ob er denn wohl noch mit Abendessen rechnen könnte. Ich bitte ihn, eben fix auch Krischan und Focko zu informieren, dass die geliebten Gattinnen unverzüglich sofort auf der Stelle bei uns eingesammelt werden können. Inzwischen wird nämlich langsam der Rum knapp. Der Abholvorgang selbst zieht sich naturgemäß in die Länge – der Rum ist endgültig alle (und der Kräuterlikör sowieso), als die ganze Bande samt Gepäck endlich vom Hof ist. Ja, ja … DAS müssen wir unbedingt demnächst noch mal machen. Wirklich! Aber gern! Mit Vergnügen! Ich glaub sogar, dass ich im Oktober 2018 möglicherweise vielleicht noch ein Terminchen frei hätte…ruhig immer mal nachfragen…!

So. Und nun verrate ich Ihnen ein Geheimnis.  Kurz vor Mitternacht, als ich noch mal im Garten war, um den Igel nachzufüttern, brannte sowohl bei Kea, Aahlke als auch Eilsine noch Licht. In den SCHLAAAFZIMMERN!!!                                

Aber das dürfen Sie bitte nicht weitersagen.

Das hab ich nicht verdient

Frieslands schönstes Dorf

„…DAS hab ich NICHT VERDIENT!!!“

Ich weiß jetzt nicht, ob Sie meine nächste Nachbarin Tant‘ Kea kennen – aber wenn Sie sie EIN MAL gesehen haben, werden Sie sich bestimmt an sie erinnern. Kea liebt es nämlich bunt – zumindest in optischer Hinsicht. Schon ihr Vorgarten sieht aus, als wäre eine Bombe in `nem Tuschkasten explodiert…und dieser Anblick ist meistens nur ein sehr kleiner Vorgeschmack auf ihr jeweils aktuelles Tages-Outfit. Kea kombiniert mit Wonne (und Vorsatz!) Farben, die in der Natur sooo nicht vorkommen mit Mustern, die ein verzweifelter Designer im Drogenrausch erfunden hat. „Pastell“ kennt sie nicht und „gedeckt“ hält sie für ein Schimpfwort. Wir reden nicht über das Alter einer Dame – lassen Sie es mich so formulieren, dass Tant‘ Kea mit deutlich über 70 noch den Deich zum Glühen bringt. Natürlich setzt sich der wilde Farbenrausch auch in ihrem Häuschen fort. Wenn man sie besucht, ist einem schon vor dem ersten Getränk schwindelig. Nur ihr Krischan ist eine (optische) Insel der Ruhe. Als alter Sturkopp, der er ist, besteht er (ungefähr seit der Goldenen Hochzeit) darauf, sich seine Klamotten selbst auszusuchen. Diese Tatsache ist ein (weiterer) Grund für die permanent schwelende Missbilligung zwischen den beiden. Sozial gesehen  ist ein Abendessen bei Familie Harms ein Blindflug durch heftig vermintes Gelände. Aber wir waren ja nicht allein…die ganze Deich-Gang saß schon in der „guten Stube“ versammelt und hatte schon ordentlich vorgeglüht. Blöderweise waren nur noch die beiden Stühle frei, die sonst zu Repräsentationszwecken im Besuchs-Zimmer (nur reingucken, nichts anfassen) stehen.  An den Dingern ist an sich nichts falsch, so lange man nicht darauf sitzen muss. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Rückenlehne allerhöchstens 85 Grad von der Sitzfläche hochsteht und auch diesen Winkel kann man wegen der handgedrechselten Verzierungen nicht zur Gänze ausnutzen. Wenigstens blieb mir durch die zwangs-hockende Haltung der permanente Blick auf das Monumentalgemälde mit dem röhrenden Hirsch im Barockrahmen, umkränzt von Efeuranken und kontrapunktiert von eingesteckten Rosenblüten, erspart. Dafür hatte ich freie Sicht auf die Gastgeberin – und wenn ihr bis jetzt keiner gesagt hat, dass sie einen pinkfarbenen Lockenwickler über dem rechten Ohr zu sitzen hat, will ich ganz bestimmt nicht die erste sein. Vielleicht war’s ja auch Absicht. Bei Kea weiß man nie. Aber eins ist sicher: Sie kocht wie eine Göttin. Und im Updröögt-Bohnen-Fressrausch hält man sich nicht an Kleinigkeiten auf – da geht’s ums große Ganze. Zwischen Fleisch-Gang und dem Kuchen war ich selbstverständlich „Händewaschen“ (hihihi!), hab ausgiebig in der ganzen Hütte nach einem Ehrenplatz für den angestaubten Putzhandschuh gesucht  und ihn letztendlich auf dem Küchenfensterbrett mit „Zeige-Richtung“ Spülstein deponiert. Bei meiner Rückkehr zum harten Kern waren die Damen gerade dabei, Keas unzählige Handarbeits-Kreationen der letzten Wochen zu begutachten. Mensch – in sechs Wochen ist Weihnachten! Da muss man sich doch schon mal Gedanken um die Deko machen! Und Geschenke! Und überhaupt!!! Die aufkommende Hausfrauenpanik konnte mit Hochprozentigem nur unzureichend unter Kontrolle gebracht werden. Meine Mädels wurden immer aufgeregter. Heute weiß ich gar nicht mehr, wer eigentlich damit angefangen hat – aber auf einmal redeten alle zugleich und wild durcheinander davon, wiiie schööön es wäre, doch nächste Woche mal fix zum Shoppen in die „Stadt“ zu fahren. „Und dann holst Du uns fein am Bahnhof ab und wir gehen aber so richtig einkaufen!“ Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich merkte, dass „Du“ „ICH“ sein sollte. Die Begeisterung über diese pseudo-grandiose Idee hatte schon das Männer-Ende der Tafel erreicht. Die Vorfreude auf einen frauenfreien Wochentag riss Claas, Krischan und Focko zu wahren Temperamentsausbrüchen hin. Vollinhaltliche Zustimmung – aber sowas von! Als ich endlich Blickkontakt mit dem Mann meines Herzens aufgenommen hatte, war alles zu spät. 

Gut – ich muss hier schnell was Persönliches einschieben. Die meisten von Ihnen wissen, dass ich meinen Wilhelm liebe. Meistens wie verrückt. Ich sage ihm das natürlich gern und häufig. Wegen seines überschäumenden kreativen Temperamentes kriegt er jedoch genau so oft von mir ein nachdrückliches „Sag! Jetzt!! NICHTS!!!“ zu hören. Warum musste er sich aber gerade HEUTE daran halten??? Freundliches Schulterzucken und breites Grinsen – mehr war  nicht zu erwarten.     Es ist also eine beschlossene Tatsache und die ganze traurige Wahrheit, dass Kea, Aahlke und Eilsine nächste Woche auf „Große Fahrt“ gehen, unsere City stürmen und ich das zweifelhafte Vergnügen habe, anschließend die ganze Bande samt Beute im Trecker nach Hause an’n Deich zu kutschieren. Ich hab dann versucht, ein bisschen schneller zu trinken, aber die Idee wurde in keiner Weise verlockender. Ist sie immer noch nicht. Irgendwie sagt mir mein angeborener Pragmatismus, dass jeder Widerstand zwecklos ist. Am besten, ich schaue mir schon mal den Wetterbericht an. Vielleicht kommt ja ein etwas hell-grauerer Tag, an dem Sonnenbrille und Ganzkörper-Vermummung in der Stadt weniger peinlich als ein Rudel-Auftritt im friesischen Gesamt-Paket sind. 

…Dinner for 9

Frieslands schönstes Dorf

„…Dinner for 9“ (oder auch: „Das große Fressen“!)

Eine beliebte Wochenendbeschäftigung bei uns am Deich (genau wie in der „Stadt“) ist „Essen gehen“.  Der entscheidende Unterschied ist, dass wir nicht überlegen müssen, ob wir beim Italiener, Griechen oder Chinesen reservieren lassen, sondern ob wir zu Aahlke, Kea oder Eilsine gehen. Manchmal lässt es sich auch nicht vermeiden, dass die ganze Bande samstagabends bei uns vor der Tür steht.  Da muss man durch.

Nach den Erfahrungen der letzten Jahre habe ich mich dieses Mal für eine äußerst professionelle Herangehensweise entschieden. Die Erinnerung an meine großangekündigte Grünkohlparty 2013 steckt uns allen noch in den Knochen. Bestimmt haben Sie schon davon gehört…der Abend ist als „der große Fuck-Up“ in die regionale Geschichtsüberlieferung eingegangen. Mir war die Kocherei doch etwas aus dem Ruder gelaufen…wir mussten schließlich die Lemminge evakuieren, das Erdgeschoss neu streichen und ein anderes Sofa kaufen. Die Spinat-Pizza, die ich als kreative Ausweichvariante angeboten hatte, war auch nicht sooo der Brüller. Jedenfalls war ich seitdem von der allgemeinen Einladungspflicht befreit – bis heute.

Ich weiß ja nicht, ob Sie „Grünkohl“ kennen. Ich mag ihn aus vielerlei Gründen nicht. Überhaupt nicht. Er sieht aus wie ein wiederverwerteter Kuhfladen, stinkt  wirklich alles durchdringend und die vielen fettigen Fleischteile, die unbedingt dazu gehören, machen das Ganze nicht sehr viel besser. Aber Grünkohl gehört zu Ostfriesland wie „Moin“ und „Tee“…da muss ich ab und zu mal meine sozio-kulturellen Hemmungen fahren lassen und das Zeug auf den Tisch bringen. Jede friesische Hausfrau ist stolz auf ihr persönliches Grünkohl-Rezept, das traditionell mindestens 150 Jahre alt sein muss und am bestens noch (in einen historischen Torfbrand-Klinker geritzt) im Rauchfang des eigenen Herdes versteckt war. Bitte glauben Sie mir - ich habe leidvolle, einschlägige Vergleichsmöglichkeiten – am Aussehen und Geruch der grünen Pampe hat noch kein Geheim-Rezept etwas geändert. Wahrscheinlich könnte man auch mit Fledermausaugen und Krötenohren experimentieren und würde schließlich durchaus ein geschmacksverbessertes Ergebnis hinbekommen, wenn man den Grünkohl wegließe. Aber das ist Blasphemie – und dafür hab ich gerade mal gar keine Zeit, weil heut Abend nämlich die ganze Nachbarschaft zum Essen anrückt.

Großer Gott – es ist schon 06.30 Uhr – JETZT aber! Bewaffnet mit `nem Pott Kaffee und der Frühstückszigarette hocke ich gemütlich auf der Küchenbank und tätige den ersten Anruf des Tages beim Schlachter meines Vertrauens (mit Mittagstisch!) im Nachbardorf. Der öffnet seinen Laden zwar erst um sieben, aber wenn er meine Nummer im Display sieht, weiß er, dass es sich um einen absoluten Notfall handelt. Ich mag ihn. Wirklich sehr! Er hat mir schon so manches Mal aus der Patsche geholfen – und stellt nach der üblichen sozialen (allerhöchstens fünfminütigen) Gesprächseinleitung auch sofort verständnisvoll die entscheidenden Fragen: 1. Wer kommt?  2. Wann?  und 3. Ist Krischans Zahnprothese wieder von der Reparatur zurück?

Nach kurzen Verhandlungen einigen wir uns dahingehend, dass ich ein „komplettes Grünkohl-Set“ für 15 Personen (ja, wir sind nur 9 plus Dackel, aber sicher ist sicher) kurz vor Ladenschluss bei ihm abholen kann, wenn ich sowieso wegen der Torte zum Bäcker muss. Erwähnte ich bereits, dass der Schlachter ein echt toller Typ ist? Die Torte hatte ich ganz vergessen, ich Schussel aber auch…!

Mein anschließendes Telefonat mit dem Bäcker wird durch laute Selbstgespräche meines geliebten Gatten überlagert, der sich (na, eigentlich mich!) fragt, was es denn wohl für einen Pudding zum Nachtisch gäbe. Pudding? Was denn noch?! Hab ich denn eigentlich überhaupt nix anderes zu tun? Dieses Landleben macht mich völlig fertig! Aber ich werde hier nicht alleine leiden und bitte den Mann meines Herzens, schon mal den Hof zu kärchern, die Einfahrt zu fegen und die massiven Terrassenmöbel umzudrapieren. Wenn er noch mal nervt, kann er das auch gern zwei-, dreimal neu machen!

Am frühen Nachmittag begebe ich mich auf Nahrungssuche. Beim Schlachter fange ich an. Er belädt meinen Trecker mit dermaßen riesigen Pötten, dass ich mir schon Sorgen um die Zuladungslast mache. Außerdem kriege ich nicht nur zwei Extra-Tüten (die neuen Fleischsalat-Kreationen für meinen Mann zum Testen und ein paar Leckerlis für Pelle – hoffentlich verwechsele ich das nachher nicht!), sondern auch seine private Handynummer für den schlimmsten anzunehmenden friesischen Essens-Notfall „Es reicht nicht!“.

Schon auf dem Supermarkt-Parkplatz um die Ecke ist mir ganz seltsam wegen des Grünkohlgeruchs im Wagen. Die Rettungsdecken, die ich halberstickt über das ganze Gerödel werfe, werden ihrem Namen nur unzureichend gerecht. Ich hole mir eine Frischluft-Dosis im modern klimatisierten REWE und stocke unseren Getränkevorrat großzügig auf. Die mehrstöckige Ostfriesentorte vom Bäcker passt schlussendlich nur noch auf den Beifahrersitz und lässt sich ums Verrecken nicht anschnallen. Mit offenen Autofenstern und im dritten Gang „auf Schleichfahrt“ erreiche ich endlich den heimischen Hof. Der Countdown läuft unerbittlich. Erstmal das ganze Geschirr verteilen – Pötte auf’n Herd, Teller auf’n Tisch. Mist – Tischdecken vergessen. Noch mal neu. Zwischendurch den Pudding machen. Also – das Glibberzeugs eines bekannten Herstellers aus den gekauften Plastiknäpfen im Wechsel mit der Roten Grütze gleichen Ursprungs auf direktem Weg in die „gute“ Glasschale umfüllen. Sieht richtig toll aus. Jetzt noch die verräterischen Umverpackungen blickdicht verschwinden lassen – fast fertig! Ganz wichtig – den professionell geschälten Salzkartoffeln noch ein paar Ecken und Kanten verpassen, damit sie mehr „nach mir“ aussehen.

Boooah, was für ein Stress!

So eine Abend-Einladung folgt einer streng festgelegten Choreografie. Wenn es um 18.00 Uhr Essen geben soll, empfängt die Hausfrau erschöpft, aber in stolzer Erfüllung ihrer Pflicht glücklich lächelnd ihre pünktlichen Gäste typischerweise schon kurz nach fünf. Nun kommt es darauf an, den Willkommens-Toast „Vielen Dank, dass Ihr gekommen seid!“ schneller auszubringen, als die erste Flasche Korn selbstbedient leer ist. Kurzer Blick über die versammelte Bande – jaaa, alle haben sich „fein“ gemacht. Zu den Brotkrümeln auf Fockos Hochzeitsjacket sag ich jetzt mal nix – ist wahrscheinlich auch kein Misstrauensantrag, sondern seine gesunde Vorsicht. Traditionell kommt nun der große Monolog der Gastgeberin über die möglicherweise nicht ganz optimale Qualität des Essens – unter besonderer Berücksichtigung der kulinarischen Qualitäten der anderen anwesenden Damen. Ich lasse mir hierbei immer etwas mehr Zeit. Dann fällt es nicht so auf, dass ich eigentlich nur anstandshalber im Essen herumstochere.  Außerdem habe ich darauf geachtet, dass ich neben Pelle sitze. Diese pelzige Fressmaschine schreckt vor nichts zurück. Ohne größere Zwischenfälle geht der Grünkohl-Gang nahtlos in den Pudding über. Bis jetzt hat noch keiner gemeckert. Krischan hat sogar zweimal nachgenommen – Kea guckt schon ganz angesäuert. Die Pause zwischen „Tisch abräumen“ und „Torte essen“ wird durch ernsthaftes Trinken überbrückt. Man lehnt sich bequem zurück, darf den obersten Hosenknopf öffnen und wartet darauf, dass der Hochprozentige den Magen aufräumt. Das kann dauern. Die Damen ziehen sich gern auf eine Besichtigungstour durch’s Haus zurück – als „Händewaschen“ getarnt. Damit muss man rechnen und hat besser vorher an allen Stellen Staub gewischt, die dem prüfenden Wisch-Finger der Nachbarinnen zugänglich sind. Da die Mädels aber alle kleiner sind als ich, hab ich einen entscheidenden technischen Vorteil – ja, es kommt DOCH auf die Größe an! Irgendwann sind dann alle wieder zum Torten-Essen am Tisch versammelt. Ääääh…merkt außer mir noch jemand, dass es hier irgendwie seltsam riecht? Ha! Hihihi!!! Ganz klar – Kea, Aahlke und Eilsine haben das stundenlange „Händewaschen“ nicht nur zur Hygiene-Inspektion genutzt, sondern auch im Badezimmer „Parfum-Probe“ gemacht – und irgendwie sind alle bei der kleinen Nachfüllpackung Luft-Erfrischer gelandet.

Nach der Torte gibt’s noch den „Absacker“ und dann das große Finale. Man begleitet seine Gäste bis zum Hoftor und überreicht an der Grenze zur Einfahrt  die eingepackten Essensreste zum „Mitnehmen“. Blöd ist nur, dass ich keine Reste zum Verschenken mehr habe. Die Töpfe sind leergekratzt, die Puddingschüssel hat Pelle ausgeleckt und von der Torte ist nur noch ein großer Fettfleck geblieben. Garantiert wird mir dieses Fehlverhalten noch bis 2020 vorgehalten. (Mentale Notiz: Im nächsten Jahr für mindestens 20 Personen vorbestellen!)

So. Feierabend. DAS hätte durchaus schlimmer werden können. Ich werde jetzt mal ins Körbchen gehen und bis Sonnenaufgang (!!!) drin bleiben. Ich melde mich wieder bei Ihnen, wenn ich halbwegs erholt bin und die Hütte nicht mehr riecht – je nachdem, was eher eintritt. Also – bis später!

 

PS.: Gerade finde ich halb unter dem Sofa versteckt noch ein seltsames Häufchen. Haben Sie schon mal regenbogenfarbene Dackel-Kotze gesehen? Friesland ist eben immer für eine Überraschung gut!

...Meerblick

Frieslands schönstes Dorf

„…Meerblick!“

 Arrrgh…es ist Sommer! Gut – kam auch in den Nachrichten. Aber dort ist das für uns eher eine abstrakte Größe. Genauso wie die Berichte von überbuchten Feriendomizilen und den ins Unendliche steigenden Urlauberzahlen an der Nordsee.  Trotzdem muss man manchmal das heimatliche Kaff verlassen, um sich beim „Fisherman“ und seinen „Friends“ frisches Abendessen zu besorgen. Am besten direkt vom Kutter im Hafen…los geht’s!

Ha! „Los“ klappt noch – „geht“ schon schlechter. „Stop and go“ bereits beim Abbiegen auf die Landstraße. Vorausschauend hatte ich mir vorgenommen, diesmal die empfohlene Richtgeschwindigkeit auf dieser Reiseroute etwas weniger als sonst zu überschreiten. „Tourismus“ ist die Haupteinnahmequelle unserer Region. Da wollen alle Behörden was von haben. Das lukrative Geschäft mit kostenpflichtigen Urlaubsfotos live vom Straßenrand will sich der Landkreis nicht entgehen lassen. Aber es hätte noch nicht mal eine amtliche Geschwindigkeitsbegrenzung gebraucht. Die Straße war voll. Blech an Blech. Und mittendrin…Horden von Radfahrern. Kleingruppen, größere Rudel, Doppelreihen, ungeordneter Konvoi – alle Fahrformationen vertreten.  Warum tun die das? Direkt hinter dem Deich ist ein gut gepflegter, mindestens vierspuriger Radweg. Mit Meerblick und Seeluft. Ausgeschildert. Aber anscheinend wollen gerade Neuankömmlinge aus dem überwiegend industrialisierten Binnenland einen allzu großen KULTURSCHOCK vermeiden und klammern sich an liebgewonnene Autoabgase und prickelnd-kuschelige Fahrzeugfülle. Na – so lange alle fein die Kurtaxe bezahlt haben, soll uns das egal sein.

Schon von weitem erkennen wir, dass der Parkplatz am Hafen aus allen Nähten platzt. Hektisch wühle ich im Handschuhfach nach meinem „Eingeborene-dürfen-das“-Schildchen. Ein warnender Aufschrei meines beifahrenden Gatten reißt mich zurück in die Realität. Vollbremsung. Von Schritt-Tempo auf Null in einer Sekunde…aber keine zu spät. Mitten in der Zufahrt hat sich eine liebende Mutter auf ihr fülliges Hinterteil gesetzt, um ihrem krebsrot verbrannten Junior ein Fläschchen Cola zu reichen.Hallooooo? Noch einen Meter bis zum Bürgersteig?! Dran vorbei geht nicht, mitten rüber wäre illegal. Hinter mir hupt`s.

Vor mir versucht ein Reisebus mit den Teilnehmern einer Original-Krabben-Tour auszuparken. Zwei gnäckernde Senioren im Partnerlook brettern auf ihren chip-getunten E-Bikes volle Möhre in die Kühltaschen-Pyramide einer wimmelnden Großfamilie. Ich will wieder nach Hause. Ganz dringend. Am besten sofort. Mein Mann verlässt das Auto. Der Duft des Sommers bleibt. Wie der bei uns an der Küste riecht? Nach Fischbrötchen, Sonnenöl und verschwitzten Badegästen.

Danke, Schatz…Du mich auch! Es ist nicht so, dass ich ihn nicht liebe. Ich bete den Boden unter seinen Füßen an – lasse ihn jedoch ungern allein unbeaufsichtigt auf heimischem Territorium mit größeren Menschenmengen. Was soll ich sagen – er ist Künstler! Und wo wir Durchschnittsbürger planlos herumwuselnde Leute sehen, ist das für ihn PUBLIKUM. DAS liebt er! Da lässt er alle friesische Zurückhaltung fahren und mischt die Massen auf, als hätte es zum Frühstück Sprechperlen gegeben. Schadensbegrenzend schalte ich den Geländegang zu, drücke auf die Hupe, weiche über Bordstein und Berme dem Schlimmsten aus und brettere  hinter meinem Geliebten her. Die Pöbeleien der anderen Hafenbesucher gehen im Motorengeräusch verloren. Keiner stellt sich meinem Trecker in den Weg, wenn ich am Steuer sitze und fies gucke! Glücklicherweise hat der Hafenmeister meine Notlage erkannt und winkt mich auf den Personalparkplatz. Wir haben dieses Manöver schon häufiger geübt - diesmal lässt er den Schlagbaum auch so lange oben, bis ich ganz „durch“ bin.

Der Einkauf am Anleger ist Minutensache. Trotzdem bleibt es eine traurige Tatsache: Mein Mann ist weg! Kurz entschlossen springt die Saisonkraft vom DLRG bauchmuskelspielend auf sein Wetbike und sucht vom Wasser aus nach meinem Herzallerliebsten. Quer durch den Anfänger-Surfkurs durch – wobei die Neuen das „Runterfallen“ längst ohne fremde Hilfe draufhaben. Der Hafenmeister reicht mir sein Ersatz-Fernglas. Gemeinsam scannen wir den Horizont.

Hab ihn!!! Hundert Meter weiter erkennt man im Windschatten der mobilen Fischräucher-Bude, dass sich eine größere Menschenmenge erstaunlich geordnet und nahezu andächtig zusammenrottet. Gottseidank – DA isser ja.

Doch, Sie kennen meinen Mann. Waren Sie nicht bei seiner letzten spontanen Hafen-Führung dabei? Sie erinnern sich doch bestimmt an diesen großgewachsenen, durchaus seriös wirkenden Herren, der so wunderbar in astreinem Hochdeutsch aus dem Stehgreif stundenlang über Geschichte, Land und Leute referieren konnte? Charmant und gutaussehend? Liebenswürdig und eloquent? Ein echter Hingucker? Ja, genau. Autogramme hat er auch gegeben. Das macht er von Zeit zu Zeit. Trotz seiner angeborenen Bescheidenheit. Man kann ihm wirklich stundenlang zuhören. Ich tu’s ja auch. Meistens jedenfalls.

Die ganze Sache hat nur mehrere kleine Haken. Ich weiß ja nicht, was genau er Ihnen erzählt hat – aber: Die Wikinger sind NICHT „genau hier“ und schon gar nicht im Jahr 883 zum großen Raubzug an Land gegangen. Hier wurde auch kein Goldschatz im Watt vergraben.  Dass die Kurverwaltung mitten im Naturschutzgebiet den Bau eines vierstöckigen Parkhauses mit Meerblick plant, ist ein selbsterfundenes Gerücht. (Bitte rufen Sie NICHT MEHR bei der lokalen Touristen-Information an, um den Beginn der Protest-Demonstration dagegen zu erfahren.) Und NEIN, die massenhafte Fäkalien-Verklappung der vorbeifahrenden Container-Schiffe direkt vor diesem idyllischen Badestrand ist nicht bestätigt…bei Ebbe riecht es hier immer so.

Sind Sie jetzt enttäuscht? Müssen Sie nicht. Sie sind um etliche lebenswichtige Erfahrungen reicher und können nach dem Urlaub zu Hause mit echten Insider-Informationen glänzen. Friesland ist einzigartig, unterhaltsam und voller Überraschungen.

 (Fragen Sie nur mal meinen Mann!!!)

...statt Urlaubskarten

Frieslands schönstes Dorf

Was haben wir uns auf diesen Urlaub gefreut! Ländliche Idylle, Hardcore-Romantik am Deich, Ruhe, Frieden  - und ganz viel kreative Zweisamkeit. Was man sich so von einem perfekten Urlaub wünscht, eben.

Ging auch ganz gut los. Heute Morgen 06.00 Uhr aus’m Bett geschossen – Blick nach draußen – verdammt! Muss ich schon wieder Fenster putzen? Gottseidank – es ist nur Seenebel. Fix den Trecker angeschmissen und ins nächste Dorf mit Supermarkt gebrettert – dabei ein lauschiges eheliches Frühstück auf der Terrasse im Hinterkopf gehabt. Wird ja immer gern genommen.

Auf dem Heimweg kurz vor dem finalen Abbiegen sehe ich aus dem Augenwinkel Pelle, wie er dem Mittelstreifen der Bundesstraße Richtung Heimat folgt. DAS ist ja mal `ne amtliche Erweiterung seines Aktionsradius – nein, ich will gar nicht wissen, wo er herkommt (und warum). Warnblinken, Vollbremsung, aussteigen, Dackel einsammeln, ihn zum Mitfahren überreden – weiter geht’s. `N Kilometer weiter kommt mir Claas entgegen – am Schlepper alle Lampen an. Vermisst Du Deinen Hund? Näää, vier Kühe. Kannst‘  mal zu uns auf’n Hof kommen, Dir das Quad nehmen und suchen helfen? Menno ist schon mit der Mofa los. Hab ich samstags, 08.00 Uhr, eigentlich nix besseres zu tun??? Äääh…nein, hab ich nicht. Dackel gegen Quad tauschen, Eilsine bitten, meinem Mann die Brötchen vorbeizubringen – und:

Jiiiiiehaaaaaa!!! Ehrlich gesagt, sind mir die dummen Kühe piepegal – aber insgeheim liebe ich dieses Cowboy-Feeling heiß und innig. Zittert, ihr Viehdiebe! Gleich gibt’s ein Showdown am OK-Corral!!!

Allrad macht Laune. Jedenfalls, solange der Sprit reicht. Beim letzten „Börps“ des Motors weiß ich auch genau, dass mein Handy im Auto liegt. Zum Glück hat Focko, der die Kuh-Patrouille von seinem Hochsitz aus koordiniert, meinen Rumpelstilzchen-Kriegstanz durch den Feldstecher beobachtet und die Nachbarschaft von meiner Notlage informiert. Menno bringt als rettender Ritter auf der Mofa nicht nur einen Benzinkanister, sondern auch die Jubelbotschaft, dass sich die Kühe wieder angefunden haben.

Bei Claasens in der Küche tobt mittlerweile das Elführtje. Hier treffe ich auch meinen geliebten Gatten. Wenn man Eilsine glauben darf, war er halbverhungert und praktisch völlig dehydriert – da MUSSTE sie ihn einfach zum Frühstück adoptieren – und zum Mittag bleibt er auch, jawoll! Bei Dir gibt’s ja nie was Richtiges zu essen – das weiß doch JEDER! Bei Euch sind doch dauernd nur Pizzakartons in der Mülltonne! (Dem Deich-MOSSAD entgeht wirklich nix.)

Während die eingeborenen Ur-Friesen alle Neuigkeiten der letzten Wochen diskutieren (Wer mit wem? Hochzeiten? Geburten? Todesfälle? Sonstige Verfehlungen???), wirbelt Eilsine am Herd. Für „updröögt Bohnen“ würde ich glatt mördern. Außerdem bin ich durch mein landwirtschaftliches Work-Out ziemlich ausgezehrt. Ja, danke…ich nehme gern noch mal nach!

Mitten ins Essen platzt der Postbote, um mir zu verkünden, dass bei uns keiner zuhause ist. Aber Tant‘ Kea hätte ihn rein gelassen, weil sie sowieso in unserer Küche war, um einen Frankfurter Kranz hinzustellen. Dankeschön vielmals … in alle Richtungen.

Gegen vier Uhr sind wir endlich in unserer Hütte, aber mitnichten allein. Focko hat schon  auf uns gewartet. Ob ich nicht wohl eben mal schnell ein schickes Foto von seinem neuen Schafbock machen könnte? Na, nun kommt’s auch nicht mehr darauf an – wo isser denn, der Neue? WAS??? Bei uns im Gaaarten???

Gut. Wir haben dann doch noch ein Fotoshooting gemacht. Morgen kommt Focko mit den Ersatz-Hortensien und will versuchen, die Hecke zu reparieren.

Zum Abendbrot gibt’s Frankfurter Kranz. Mehr kann man von einem ersten Urlaubstag nicht erwarten.

Kurz noch mal in’n Rechner geguckt. Boooooah...‘ne Riesen-Handvoll Mails von allen liebsten und besten Freunden, die uns einen ruhigen, erholsamen Urlaub wünschen. Und wenn wir uns am Deich zu sehr langweilen würden, wären sie allesamt sofort und auf der Stelle bereit, aufmunternd vorbeizukommen – Anruf genügt!

Leider bin ich viel zu müde und kaputt, um allen eine persönliche Antwort zu tickern.

Deshalb: Wenn Ihr dies hier lesen könnt – Dankeschön für Eure großzügigen Angebote – aber gerade im Moment hält sich unsere Langeweile noch in Grenzen.

 

Und morgen rocken wir wieder den Deich. Versprochen!!!

Das Küchenwunder

Frieslands schönstes Dorf

„…das Küchenwunder!“

Haushaltstechnisch gesehen habe ich bestimmt jede Menge Potential. Wer mich aus leidvoller Erfahrung kennt und sich erinnert, dass ich bereits 1998 das weltweite Massensterben der Tamagotchis praktisch im Alleingang erledigt habe, wird mir bestimmt keine Zimmerpflanze schenken.

Aber kochen kann ich. Zumindest theoretisch. Nur muss man dazu ganz viel Zeit und Bock haben. Vorzugsweise beides gleichzeitig. Das klappt bei mir schon mal relativ selten.  Wenn man meinem geliebten Gatten Glauben schenken darf, war das letzte Mal im Herbst 2012. (Wegen der ewigen Sturmfluten kam man damals wirklich kaum vor die Tür.)

Aber jetzt, als friesische Teilzeit-Landfrau, habe ich einen Ruf zu verlieren – nämlich den als Küchen-Legastheniker.

Wie wär’s heute mal mit feinen Rinder-Rouladen, Schatz?

Ist ja `ne Menge Arbeit mit den ollen Fleischlappen. Klopfen, streicheln, bepinseln, künstlerisch falten, professionell zusammenstecken – irgendwie so Origami mit ganz viel Ikebana. Haute cuisine international!

Mir wird ganz schwindelig, wie ich so in Claasens Küche beim Tee sitze und Eilsine beim Brutzeln zugucke. Andächtig lausche ich ihren weitschweifigen Erörterungen, die zwar jetzt nix mit Kochen zu tun haben – aber es ist für `nen verdammt guten Zweck: Vier von den Rouladen, die in den unendlichen Weiten ihres glühenden Backofens verschwinden, sind für mich. Dafür kann ich schon mal Verständnis und Anteilnahme heucheln.

So – jetzt sollte ich mich fix nach Hause trollen und Kartoffeln kochen – DAS wird wohl zu schaffen sein. Ratzfatz kloppe ich so ein paar Knollen aus der Schale – ab in’n Pott, Herd an – wird schon werden. Dauert aber wohl noch.

In der Zwischenzeit will ich eben mal gucken, ob ich am Zuggraben zum Deich noch das Nest mit den pubertierenden Bisamratten wiederfinde. Fehlanzeige. Aber die ganzen vielen Frösche sind auch lustig und lassen sich gut fotografieren. Meine naturkundliche Meditation wird jählings vom Gebrüll des Postboten gestört. Der stürmt im Schweinsgalopp quer durch den Garten auf mich zu und schmeißt den ganzheitlich verkohlten Ex-Kartoffel-Topf volle Möhre ins Wasser. Treffer – versenkt! Lakonisch versichert er mir, dass es nun nicht mehr bei mir brennt. Post liegt auf’m Tisch – bis morgen!

Vorsichtig taste ich mich an den Schauplatz der Küchenschlacht zurück. Ist jetzt nicht sooo schlimm. Wenn ich ungefähr `ne Woche lang Durchzug in der Hütte mache, riecht man bestimmt nichts mehr. Großzügig arbeite ich mit Raumspray und setze erst mal `nen Tee auf. („Wasserkocher“ kann ich genauso professionell wie „Mikrowelle“.)

Gottseidank ist die „Post“ bei uns am Deich nicht wirklich „still“.

Zuerst kommt Tant‘ Aahlke um die Ecke und demonstriert ihre allergeheimste Wunderwaffe gegen verkokelte Kochplatten. Kurz danach trifft Kea mit ihrem obligatorischen Frankfurter Kranz ein. So’n Kuchen geht doch immer – bevor hier gar nix zum Essen auf’m Tisch steht…!

Aber Eilsine übertrifft sich selbst (und alle anderen sowieso). Ihr Uralt-Fahrrad biegt sich unter der Last von Pötten, Schüsseln und Dackel, als sie in bedenklicher Schräglage schwungvoll die Auffahrt hochbrettert.

Nun habe ich nicht nur original-selbstgemachte Rouladen mit literweise Sauce, sondern dazu noch Rotkohl, Wurzelgemüse, Erbsen und Kartoffeln bis zum Abwinken.

Schatz – Essen ist fertig! Boooah, DAS war vielleicht `ne Arbeit!

(Und morgen gibt’s dann wieder Pizza.)

in eigener Sache

Frieslands schönstes Dorf

„…in eigener Sache…!“ 

Moin zusammen! Heute grüße ich Sie zu äußerst früher Stunde live und unplugged direkt vom Deich…nein, Sie können mich nicht sehen – draußen ist pottendichter Nebel!

Oftmals werde ich angesprochen, warum es nicht häufiger mehr frische Geschichten von unserem „schönsten Ende der Welt“ im Deich-Blog gibt…viele Leser vermissen die Tages-Aktualität.

Es ist nun beileibe nicht so, als würde bei uns nix Neues passieren – im Gegenteil: Es passiert andauernd (praktisch im Minutentakt) irgendetwas Schräges, was aber immer meine ungeteilte Aufmerksamkeit oder mein hyperaktives Akut-Eingreifen erfordert und mich deshalb vom Aufschreiben abhält. Manchmal freu ich mich schon, wenn ich einen weiteren Tag am Deich überstehe, ohne mich totgearbeitet (oder TOTGELACHT!!!) zu haben.

Wie gestern zum Beispiel. Da komme ich von der wöchentlichen Nahrungssuche zurück und finde meine Nachbarin Kea, wie sie mit einer Hand in unserem Briefkasten feststeckt und mit der anderen nicht ans Handy kommt. Ja, nun. Unser Briefträger hat Urlaub. (Und Frauke hat sich zu einem fortgeschrittenen Meditations-Kurs verabschiedet. Wissen Sie Bescheid???) Die postalische Aushilfe arbeitet nach Vorschrift und stellt sämtliche Briefe ausschließlich in die dafür vorgesehenen persönlichen Kästen zu…ohne jegliche Rücksichtnahme auf das Informationsbedürfnis der Nachbarschaft!!!

Na, jedenfalls – Tant‘ Kea war ein unfreiwilliger Hingucker an unserer Hausfront und das wohl auch schon etwas länger…schätzungsweise `ne halbe Stunde.  Oder so. Ich mochte auch nicht nachfragen und hab ihr fix `ne dicke Jacke aus’m Haus geholt. Und einen Hocker. Dieses Stehen in der Zugluft kann ja nicht gesund sein in ihrem Alter.

So. Weiter im Text. Erst mal `n Tee. Und dann Melkfett von Tant‘ Aahlke holen. Klappt nicht. Eilsine anrufen. Krischan informieren, dass es aus naheliegenden Gründen bei ihm keinen Elfühtje gibt und zu uns einladen. Zwischendurch das ständig wachsende Nachbarschafts-„Aufkommen“ im Auge behalten, frischen Tee machen, Kekse reichen und den Kräuterlikör raustragen. Inzwischen ist es 11.30 Uhr. Kea steckt immer noch fest.  „Briefkasten aufschließen“ ginge nur mit „Hand amputieren“. Focko kommt mit der Blechschere, Menno lässt sicherheitshalber schon mal die Flex warmlaufen. Bevor es zum Äußersten kommt, stemmt Claas völlig old-school-mäßig den Kasten von der Wand … und fragen Sie nicht, wie das Mauerwerk darunter aussah. DA hätte ich ja wohl längst schon mal staubwischen müssen…!

(Hausfrauliches Total-Versagen ist wesentlich schlimmer als eine kleine Umgehung des Postgeheimnisses.)

Gut. Briefkasten ab, Hand noch dran…jetzt kommen verschiedene Biegewerkzeuge (oder so ähnlich) zum geballten Einsatz…und irgendwie war dann alles wieder gut. Bis auf unsere Hauswand.

Mentale Notiz:

1. Echte Friesinnen putzen auch HINTER dem Briefkasten.

2. Den neuen Postwurfbehälter unbedingt mit geänderter Schließrichtung und/oder größerem „Eingriff“ bestellen.

3. Kräuterlikör ist alle.

So. Und DAS war nur gestern Vormittag!

Damit Sie nun bezüglich unserer Breaking-Deich-News immer auf dem Laufenden sind, hab ich mir Folgendes überlegt: Von Zeit zu Zeit werde ich im Bedarfsfall (meiner, nicht IHRER!) brandaktuelle Begebenheiten  einfach kurz und knackig auf Facebook posten. Wenn’s schnell gehen muss (und das tut’s meistens), auch mal „ohne Bild“. Ich lass mir doch nicht nachsagen, dass unser Landleben langweilig wäre!

Natürlich würde ich mich freuen, wenn Sie Spaß an meinen Geschichten „von zu Hause“ haben…die handelnden Personen sollten Ihnen inzwischen ja hinreichend bekannt sein. Wenn nicht – einfach nachfragen.

Eigentlich würde ich Ihnen gern noch ein bisschen was tickern, aber Focko, Menno, Krischan,  Claas und mein geliebter Gatte rotten sich gerade auf der Terrasse zusammen (das Teewasser hat noch nicht mal annähernd Betriebstemperatur!) und wollen „mal eben“ unsere Garage aufräumen…Alarmstufe ROT…ich verabschiede mich zur Schadensbegrenzung mit fröhlichen Grüßen aus Frieslands schönstem Dorf und winke in Ihre Richtung.

Nicht verpassen: Deich-Diary … ab sofort (na ja, DAS wäre übertrieben – aber Sie wissen schon, was ich meine!) regelmäßig auf Facebook.

Herzlichst

Ihre Karen Christiansen

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