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Eine Seefahrt, die ist lustig - aber wohl nicht für jeden...

von Melanie Götz

Nach Erteilung der Erlaubnis, an Bord fahren zu dürfen setzt sich die Autoschlange in Bewegung. Und ab dem Zeitpunkt fängt das Abenteuer an... die freundlichen Mitarbeiter der AG Ems, die den Auftrag haben, die Fahrzeuge geschickt einzuweisen, damit kein Platz vergeudet wird, geben sich wirklich alle Mühe. Aber der ein oder andere Zeitgenosse ist nicht in der Lage, die Handzeichen seines Gegenübers zu deuten:

Handzeichen: Heranwinken   Deutung: Heftige Lenkbewegungen in alle Richtungen

Handzeichen: "Du bist der nächste, der anfahren soll"   Deutung des benachbarten Fahrers: "Oh, ich bin dran!"

Handzeichen: Langsam vorwärts   Deutung: Rechts ist das Gaspedal und Zeit ist Geld...

Handzeichen: Stopp!   Deutung: Da ist doch noch Platz, ich fahr mal noch ein Stück

Handzeichen: Lenkrad links einschlagen   Deutung: Rechts einschlagen

Handzeichen: Lenkrad rechts einschlagen   Deutung: siehe oben, nur umgekehrt...  

Handzeichen: Bitte in diese Spur einreihen   Deutung: Ich nehm die daneben liegende

Irgendwann zwischen Handzeichen 3 und 4 beginnt beim PKW-Fahrer die Schnappatmung, der Einweiser der AG Ems kratzt sich am Kopf. Der direkt nachfolgende Autofahrer grinst sich eins. Die weiter folgenden Autofahrer sind genervt (siehe oben: Zeit ist ja Geld!). Aber irgendwann sind tatsächlich alle PKW an ihrem Platz. Einzige Gemeinsamkeit zwischen o. a. Fallbeispiel-Autofahrer und AG Ems-Einweiser: beide brauchen jetzt einen Kaffee. Und beide tragen das Wissen in sich, daß die Fähre ja in Bälde anlegen wird und sie sich wiedersehen werden...

Und so ist es dann auch. Die Ansage an Bord erfolgt, die Aufforderung an die Autofahrer, sich zu ihren PKW zu bewegen veranlasst seltsamerweise deutlich mehr Personen, sich von ihren Plätzen zu erheben, als tatsächlich Autofahrer an Bord sind. Ein Gerangel und Geschubse beginnt. Unser besagter Autofahrer hat auf dem Weg zum Parkdeck bereits einen Schirm in seine Körpermitte gestochen bekommen, einen aus der Gepäckaufbewahrung hastig herausgerissenen Rollkoffer mit gefühlten 200 kg Gewicht auf den Fuß. Und die angeschlagene Psyche überlegt sich längst einen Plan B, den PKW einfach an Bord zu lassen. 

Die Durchsage an alle Passagiere die ohne PKW reisen, aufgrund jederzeit möglicher Schiffsbewegungen bitte bis zum vollständigen Anlegen auf ihren Plätzen sitzen zu bleiben, verhallt ungehört im Gewühl und Gedränge um die pole position am Ausstieg (hatte ich erwähnt? Zeit ist...ach ja, sagte ich schon...). Eine eben noch zierlich anmutende alte Dame mutiert mit ausgefahrenen Ellenbogen plötzlich zum Format eines Türstehers und der junge Familienvater, der eben noch mit seinem Nachwuchs entspannt gescherzt hat, trägt den bösen Blick im Gesicht, daß es Frankenstein das Fürchten lehrt!

Auf dem Autodeck (welches selbstverständlich Vorschrifts- und Ansagekonform ausschließlich von den Autofahrern betreten wird...), herrscht ebenfalls Gerangel. Jeder muss zuerst an und vor allem IN seinem Auto sein. Und dann das: er kommt nicht rein! Das Auto nebenan hat ihn zugeparkt. Das ist ja eine Unverschämtheit! Und der sitzt auch schon in seinem PKW drin!!! Unmutsäußerungen gehen dank der Motorengeräusche der Fähre unter... wenn da jede Äußerung gehört werden würde, müßte die AG Ems freie Stellen für Ringrichter schaffen...

Leute, was ist bloß mit Euch los? Entspannt Euch und genießt Eure Reise! Es ist noch niemand an Bord geblieben, hat noch niemand sein weiterführendes Verkehrsmittel verpasst! 

Aber es ist wie immer: irgendwann sind alle von Bord, Fußgänger wie Autofahrer. Nur der AG Ems Mitarbeiter schnauft noch einmal kräftig durch. Gleich legt die nächste Fähre ab und die PKW müssen noch eingewiesen werden...

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