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13. Zugvogeltage boten schöne Begegnungen und manche Überraschung

Geschrieben von am 18. Oktober 2021

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Eine Rückschau auf die nun zurückliegenden 13. Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer.

Mit dem großen Zugvogelfest in Horumersiel gingen am Sonntag die 13. Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer zu Ende. Nachdem das Fest im letzten Jahr coronabedingt ausfallen musste, zeigte sich Nationalpark-Leiter Peter Südbeck erfreut, dass nun wieder persönliche Begegnungen zwischen Zugvogelbegeisterten möglich sind. Besonders berührt habe ihn das Zusammentreffen mit zwei Kollegen aus Gambia, dem Partnerland der diesjährigen Zugvogeltage, die ihrerseits die weite Reise auf sich genommen hatten. Seit vielen Jahren arbeiten Ornitholog:innen aus verschiedenen Ländern entlang des ostatlantischen Zugweges im Rahmen der „Wadden Sea Flyway Initiative“ zusammen und nun hatten Abdoulie Sawo und Kawsu Jammeh vom gambischen Nationalpark-Departement Gelegenheit, sich die Arbeit der niedersächsischen Kolleg:innen vor Ort anzuschauen. Mit vielen Eindrücken und dem Gefühl einer engen Verbundenheit entlang des Wege unserer „gemeinsamen“ Zugvögel haben sie sich wieder auf den Heimweg gemacht.

BU: Beim konzentrierten Seawatching konnte das Wangerooger Aviathlon-Team viele Hochseevögel „verbuchen“. Foto: M. Heckroth

Mehr als 12.500 Besucher:innen, darunter über 1500 Kinder, nahmen in diesem Jahr an den etwa 300 Zugvogeltage-Veranstaltungen teil. Als besonderer Magnet erwiesen sich erneut die Vogelbeobachtungstürme am Vareler Hafen, am Pilsumer Leuchtturm, in Neßmersiel am Spülsiel und in Dorum-Neufeld, an denen alleine über 3500 Vogelfreundinnen und –freunde gezählt wurden. Der „Nordische Zugfolk“ der Folk-Band DreyBartLang jährte sich zum 10. Mal und das Wissenschaftstheater „Fräulein Brehms Tierleben“ präsentierte – als Welturaufführung – das neue Stück zum „Steinschmätzer“. Auch der neue Film vom Naturfilmer Dieter Harms aus Varel, eine jahreszeitliche Reise durch das einzigartige Weltnaturerbe Wattenmeer, feierte während der Zugvogeltage Premiere.

Mehr als 200 Kinder hatten sich an der Malaktion beteiligt, ihre Kunstwerke zum Thema „Vogelschwärme“ konnten beim Zugvogelfest bestaunt werden. Die Firma Minox hatte wieder 10 Ferngläser gestiftet, die beim Fest unter allen jungen Künstler:innen verlost wurden.

Im Mittelpunkt der vielfältigen Programmpunkte steht die Vogelbeobachtung, folgerichtig ist die Bekanntgabe der Ergebnisse des Zugvogeltage-Aviathlons stets ein Höhepunkt des Zugvogelfestes. Nadine Knipping präsentierte dem Publikum eine spannungsgeladene Rückschau auf die 8tägige „birding battle“: Auf welcher Insel, in welcher Festlandsregion wurden während der Zugvogeltage die meisten Vogelarten beobachtet? Mit der Region Unterelbe und Bremerhaven kamen in diesem Jahr zwei weitere starke Konkurrenten ins Spiel. Der Ehrgeiz wächst von Jahr zu Jahr. Schon am ersten Tag standen 164 Arten auf der Gesamtliste – „die Teilnehmenden haben eine Art nach der anderen aus jedem Gebüsch herausgearbeitet“, berichtete Nadine Knipping augenzwinkernd. So stand überraschend die Nachtigall – die eigentlich längst Richtung Süden unterwegs sein sollte – auf der Liste und am letzten Tag der Buschrohrsänger, der in Finnland brütet und eigentlich in Indien überwintert, also auf dem Weg irgendwo falsch abgebogen ist.

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Gelohnt hat sich auch beharrliches „Sea-Watching“: Warm eingemummelt und mit hochwertigen Spektiven ausgerüstet richten Vogelexpert:innen tagelang den Blick Richtung Nordsee, um von nördlichen Winden Richtung Wattenmeer verwehte Vogelarten zu entdecken. „Das war eine Woche der Hochseevögel“ stellte Knipping begeistert fest – unter anderem kamen so Sterntaucher, Skua, Basstölpel, Dunkler Sturmtaucher, Trottellumme und auf Wangerooge sogar der Wellenläufer auf die Gesamtartenliste. Vom Nordwestwind verweht wurde auch der Atlantiksturmtaucher, der in Brasilien überwintert. Am Freitag wurde er bei einer Schiffsexkursion in der Elbemündung gesehen und 3 Stunden später auf Wangerooge.

Am Tag 7 des Aviathlons hatte Norderney mit 164 Arten den Schnabel vorn. Eigentlich wollte der zweimalige Sieger Wangerooge das Triple perfekt machen, lag aber mit 152 Arten scheinbar aussichtslos zurück. Dann die große Überraschung: Im Endstand liegen Norderney und Wangerooge gleichauf mit je 167 beobachteten Vogelarten! Am Festland holte das Wangerland mit 152 Arten die Siegerurkunde – zum 3. Mal in Folge. Insgesamt standen in diesem Jahr 220 Arten auf der Aviathlon-Liste und damit nur eine Art weniger als im Rekordjahr 2018. Der Aviathlon macht auch die Bedeutung der Zugvogeltage als „Citizen Science“-Projekt deutlich, als klassische Bürgerwissenschaft im besten Sinne, freuen sich die Organisatoren im Nationalpark. Die Sieger wurden auf dem Zugvogelfest frenetisch gefeiert, was auch die „sportliche“ Bedeutung und die Freude der Teilnehmenden unterstreicht.

Auf dem Fest im Haus des Gastes waren erneut die großen Optikhersteller Deutschlands vertreten sowie viele Initiativen und Institutionen aus unserer Region, die für Nachhaltigkeit, Natur- und Umweltschutz oder Ausrüstung zur Vogelbeobachtung stehen. Diese bunte Mischung lud etwa 800 Besucher:innen zur Information und zum Verweilen ein. Die musikalische Untermalung durch die „Tüdelüten“ und die gambische Gruppe Jali Cassa rundete die Wohlfühlatmosphäre ab. Sebastian Fuhrmann, der mit seinem „Wattpolizei“-Kindertheater seit vielen Jahren fester Bestandteil der Zugvogeltage ist, bewährte sich diesmal auch als souveräner und humorvoller Moderator des Festprogramms.

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„Auch in diesem Jahr ist es uns gelungen, viele Menschen für Zugvögel zu begeistern und damit auch das Verständnis und die Unterstützung für den Zugvogelschutz auf eine breite Basis zu stellen“, so Peter Südbeck in seinem Resümée. „Unser Dank gilt auch den zahlreichen Veranstaltungspartnern, die kompetent und kreativ zum ansprechenden Programm beigetragen haben und unser jährlich wachsendes Netzwerk bereichern. Nicht zuletzt sind die Zugvogeltage auch ein gelebtes Modell für nachhaltigen Tourismus in unserer Region, im Nationalpark, UNESCO-Biosphärenreservat und Weltnaturerbe Wattenmeer“.


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